Bedienbarkeit von Autos
Mercedes-Chef: „Etwas zu weit gegangen“
03.08.2026 – 12:28 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Trend zu immer größeren Bildschirmen im Auto lässt nach. Mercedes und andere Hersteller setzen wieder stärker auf echte Tasten, auch aus Sicherheitsgründen.
Mehrere Jahre schien der Trend bei neuen Autos unaufhaltsam: je größer der Bildschirm, desto besser. Schalter und Drehregler verschwanden, wichtige Funktionen wanderten in Untermenüs. Jetzt deutet sich ein Umdenken an.
Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius räumt ein, dass die Autoindustrie bei der Verlagerung von Funktionen auf Touchscreens „etwas zu weit“ gegangen sei. Mercedes gehörte in den vergangenen Jahren zu den Herstellern, die den Wandel besonders konsequent vorangetrieben haben. Mit dem bis zu 1,41 Meter breiten Hyperscreen bietet der Hersteller einen der größten Bildschirme in einem Serienauto an. Knöpfe wiederum verschwanden.

Künftig allerdings werde Mercedes Källenius zufolge „die sinnvollsten Buttons“ wieder ins Cockpit bringen, sagte er dem britischen Fachmagazin „Autocar“. Schon bei den neuen Modellen wie CLA, GLA oder GLB gibt es beispielsweise wieder eine Bedienwalze am Lenkrad und mehr Knöpfe. Doch das heißt nicht, dass es künftig weniger Bildschirme gibt: An ihnen will der Konzern festhalten.
Mercedes investiere viel Zeit in die Entwicklung einer möglichst intuitiven Benutzeroberfläche, sagte Källenius. Auch die Sprachsteuerung werde kontinuierlich verbessert. Dennoch ist der Konzernchef selbstkritisch. Teilweise habe die Branche „Technologie um der Technologie willen“ entwickelt und dabei den Kunden etwas aus dem Blick verloren.
Umdenken bei europäischen Herstellern
Mercedes ist mit diesem Kurswechsel nicht allein. Auch andere europäische Hersteller verabschieden sich zunehmend von der Idee, möglichst jede Funktion über den Touchscreen zu steuern.

Volkswagen bringt in neuen Modellen wieder Schalterleisten und echte Tasten am Lenkrad zurück. Chefdesigner Andreas Mindt begründet das mit einem Wandel der Zielgruppe. Zu Beginn der Elektromobilität hätten vor allem sogenannte Early Adopter neue Konzepte ausprobiert. Inzwischen müsse Volkswagen jedoch den Massenmarkt überzeugen. „Diese Leute wollen kein Auto studieren müssen“, sagte Mindt im Gespräch mit t-online. Ähnlich äußerte sich Chief Brand Officer Christine Wolburg. Viele Kunden hätten sehr deutlich signalisiert, dass sie bestimmte Funktionen direkt bedienen wollten – ohne Untermenüs, ohne Ablenkung und ohne erst darüber nachdenken zu müssen.
BMW kombiniert Displays weiterhin mit physischen Bedienelementen und dem iDrive-System, statt ausschließlich auf Touchbedienung zu setzen.
Bedienbarkeit durch Touchscreens eingeschränkt
Dass die Diskussion nicht nur eine Frage persönlicher Vorlieben ist, zeigen Untersuchungen von ADAC und TÜV-Verband. Nach einer Anfang 2026 veröffentlichten Auswertung von Tests des ADAC hat sich die Bedienfreundlichkeit neuer Autos in den vergangenen Jahren verschlechtert. In der Kategorie Bedienung erreichten die untersuchten Fahrzeuge im Durchschnitt die Note 2,7. Im Jahr 2019 war es noch eine 2,3.











