Manuel Hagel hatte zwei schlechte Momente. Sie sind ihm um die Ohren geflogen. Das acht Jahre alte Interview, in dem er von den „rehbraunen Augen“ einer attraktiven Schülerin schwärmte, war peinlich. Der aktuelle Auftritt vor der Schulklasse war unangenehm.
Zwei Augenblicke überstrahlen nun das Entscheidende: Manuel Hagel ist ein guter Kandidat für das Ministerpräsidentenamt. Er hat, bis auf diese beiden bedauernswerten Situationen, keinen schlechten Wahlkampf gemacht.
Hagel hat einen Plan, den Baden-Württemberg dringend braucht. Er will die stotternde Wirtschaft neu beleben. An diesem Tropf hängt das Bundesland. Die Hauptstadt trägt nicht umsonst den Kosenamen „Benztown“. Hagel plant, Steuern und Standortkosten zu senken, Mittelstand und Handwerk zu fördern, Bürokratie abzubauen. Alles richtig.
Er ist jung, fleißig, bodenständig und heimatverbunden. Dass er Dialekt spricht, wirkt nur nach außen provinziell. Südlich des Spätzle-Äquators ist das eine Stärke. Badenern wie Württembergern sind ihre Wurzeln heilig. Hagel ist einer „von ihnen“. Er hat sich klar zur Brandmauer gegen die AfD bekannt und das unter anderem mit seinem christlichen Menschenbild begründet. Hagel ist tiefgläubig, wie viele im Südwesten.
Nichts gegen Cem Özdemir, der viele dieser Überzeugungen teilt. Aber wenn Manuel Hagel am Sonntag nur deshalb nicht Ministerpräsident wird, weil er zwei schwache Auftritte hatte (einen davon vor acht Jahren!), dann ist das schlecht fürs Ländle.
Und schlecht für das ganze Land ist es, wenn politische Kandidaten nicht mehr daran gemessen werden, wofür sie politisch stehen und was sie inhaltlich vorhaben. Sondern an kurzen Momentaufnahmen. Über Ausrutscher kann man sich kurz aufregen, aber Tatsache ist: Sie sind morgen nicht mehr wichtig. Unsere Festplatte im Kopf hat eine kurze Löschroutine.
Viele Politiker haben vor, während und nach ihrer Amtszeit eine Menge Unsinn geredet und sich Schnitzer erlaubt. Und trotzdem Deutschland vorangebracht. Helmut Kohl war nie fehlerfrei. Joschka Fischer war ein Bürgerschreck. Von Gerhard Schröder ganz zu schweigen. Seine Agenda 2010 leitete trotzdem die größte und wichtigste politische Transformation dieses noch jungen Jahrtausends in Deutschland ein.
Haltung und Überzeugung sind wichtiger als Tagesform. Langer Atem ist wichtiger als Schnappatmung. Wenn weiter unbedachte Sekunden vielversprechende Karrieren zerstören können – es sei kurz an Armin Laschet erinnert, der dem Land dreieinhalb Jahre Scholz’schen Stillstand hätte ersparen können –, dann schadet diese Kurzsichtigkeit Deutschland. Das muss jetzt endlich aufhören.










