
Ab April 2026
Diese Patienten übersieht das neue Krebs-Screening
05.01.2026 – 12:39 UhrLesedauer: 3 Min.

Einladung nur für starke Raucher? Das neue Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs startet voraussichtlich im April – doch es könnte sehr viele Risikopatienten übersehen, warnen Experten.
Doch das neue Lungenkrebsscreening hat einen entscheidenden Haken, wie eine aktuelle Studie unter der Leitung der Berliner Charité zeigt: Es basiert auf zu simplen Auswahlkriterien. Wer zu jung ist oder weniger stark geraucht hat, wird nicht eingeladen. Jens Vogel-Claussen, Studienleiter und Direktor der Klinik für Radiologie der Charité Berlin erklärt in einer Mitteilung: „Unsere Daten zeigen, dass wir nach diesen Kriterien einige Menschen nicht erfassen, die ebenfalls ein hohes Lungenkrebsrisiko haben und vom Früherkennungsprogramm profitieren würden“. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „The Lancet Onkology“ veröffentlicht.
Das Screening mittels Niedrigdosis-Computertomografie soll gesetzlich versicherten Raucherinnen und Rauchern (auch ehemaligen) zwischen 50 und 75 Jahren alle 12 Monate zur Verfügung gestellt werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten, wenn jemand viel und lange geraucht hat. Das heißt:
Das Screening richtet sich ausschließlich an Personen, die Zigaretten rauchen oder geraucht haben. Andere Tabakprodukte sind ausgeschlossen.
In der aktuellen Hanse-Studie testeten die Forscherinnen und Forscher zwei Auswahlverfahren miteinander: Das in Deutschland geplante basiert auf den sogenannten Nelson-Kriterien – Alter und Rauchhistorie entscheiden. Das zweite Modell, der sogenannte PLCOm2012-Score, berücksichtigt zusätzlich Faktoren wie Bildung, Körpergewicht (BMI), frühere Krebserkrankungen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und familiäre Vorbelastung mit Lungenkrebs.
Das Ergebnis: Mit dem umfassenderen Score entdeckten die Forschenden 19 Prozent mehr Lungenkrebsfälle. Statt 85 wie im Nelson-Modell wurden 108 Fälle erkannt – und das bei nur rund sechs Prozent mehr eingeladenen Teilnehmern. Für jede entdeckte Krebserkrankung mussten im PLCOm2012-Modell also deutlich weniger Menschen untersucht werden. Das macht das Screening nicht nur effektiver, sondern auch effizienter.











