Drohne kommt früher

Deutsches Start-up zieht Serienstart um drei Jahre vor

10.06.2026 – 12:06 UhrLesedauer: 2 Min.

„Victor“: Die Lastdrohne kann 250 Kilogramm tragen. (Quelle: Matthias Fend/ERC System/dpa/dpa-bilder)

Komplexe technische Entwicklungen dauern oft länger als geplant. Ein Elektroflugzeug-Entwickler zeigt jetzt, dass es auch anders geht.

Das Luftfahrtunternehmen ERC System will mit einer Transportdrohne drei Jahre früher als geplant in die Serienproduktion einsteigen: Auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin stellt das in Ottobrunn bei München ansässige Unternehmen einen sowohl für militärische als auch zivile Zwecke nutzbaren unbemannten Flieger vor.

„Victor ist eine Dual-Use-Schwerlastdrohne mit Hybridantrieb, die 250 Kilogramm tragen und 300 Kilometer weit fliegen kann“, sagte Vertriebschef Maximilian Oligschläger. „Der erste Victor-Prototyp soll in diesem Jahr abheben, den Start der Serienproduktion planen wir für 2028.“

Bisher sind zwei deutsche Start-ups unter großem medialen Interesse bei der Entwicklung von Elektroflugzeugen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, beziehungsweise hatten Insolvenz anmelden müssen: Volocopter und Lilium. Volocopter wurde mit stark geschrumpfter Belegschaft von einem chinesischen Käufer übernommen, Lilium ging unter, die Technologie wurde an ein US-Unternehmen verkauft.

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Luftrettung als Partner an Bord

ERC System hat den Luft- und Raumfahrtdienstleister IAGB als Investor an Bord und muss daher nicht kontinuierlich neue Geldgeber anwerben. Partner des Drohnenprojekts ist Northern Helicopter, eine hundertprozentige Tochter der DRF-Luftrettung. Bislang entwickelte das Start-up einen als fliegende Ambulanz gedachten Senkrechtstarter namens „Charlie“, der 2031 auf den Markt kommen soll – an diesem Projekt ist die Deutsche Luftrettung bereits beteiligt. Den unbemannten Prototypen „Romeo“ stellte ERC System vor wenigen Monaten vor.

Die Entwicklung der neuen Drohne soll nach Oligschlägers Worten sowohl schneller vonstattengehen als auch günstiger sein. „Wir können nun drei Jahre früher als geplant ein Produkt auf den Markt bringen, bei deutlich niedrigeren Entwicklungskosten.“ Damit profitiert ERC System vom derzeitigen Rüstungs- und Drohnenboom. Der Anstoß für die Neuentwicklung kam nach Oligschlägers Worten aus den Streitkräften.

„Wir wurden von Militärs angesprochen, die heute am liebsten keine Piloten mehr im Flugzeug haben“, sagte der Manager. „Victor ist aber nicht nur für das Militär gedacht, sondern ein Dual-Use-Produkt auch für zivile Anwendungen, beispielsweise für Offshore-Logistik oder Feuerbekämpfung.“ Die Drohne soll einen Hybridantrieb mit Diesel und Elektromotor haben. Das Interesse potenzieller Kunden ist nach Firmenangaben groß: „Wir haben auf der ILA über 100 Meetings vereinbart“, sagte Oligschläger.

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