
Ein zentrales Thema des Films ist der Umgang mit persönlichen Krisen und mit umfassenden Katastrophenfällen. Wie gut ist Deutschland für solche gewappnet? Inwieweit ist in einem solchen Szenario jeder Mensch für sich selbst verantwortlich? Nach dem mehrtägigen Stromausfall im Berliner Südwesten Anfang Januar ist diese Frage besonders aktuell. „Gefahrengebiet“ ist ein Film über Sicherheitsillusionen und Überleben, über Selbstoptimierung, Schuld und Verdrängung.
Und der ARD-Krimi steckt voller sogenannter Easter Eggs, also kleiner versteckter Hinweise: Da ist etwa die Hundebesitzerin Edda Odin (Catherine Stoyan), deren Hunde Geri und Freki heißen – wie die Wölfe des nordischen Göttervaters Odin. Oder das Lied „Der alte Wolf“ von Hildegard Knef, das im Auto erklingt und zur melancholischen Hymne für Bonards Abschied wird.
Obendrein liefert dieser „Tatort“ starke Bilder. Die langsamen Kamerafahrten über den Teufelsberg oder den Berliner Grunewald, durch vom Nebel umgebene Birken, geben dem Film seine atmosphärische Dichte. Die Musik bleibt dezent, unterstützt die unheimliche, teilweise kühle Stimmung und wirkt zeitweise sogar magisch. Auch das Tempo des Films passt: Er erzählt ruhig, aber nie schleppend. Das lässt viele Szenen nachwirken.
Dennoch: Auch dieser Fall hat Schwächen. Der bestens auf Katastrophen vorbereitete Noah Farrell wirkt überzogen in seinem Bunker in der Tiefgarage eines Neubaus in Berlin-Mitte. Und ohnehin dürfte sich das Publikum teilweise fragen: Geht es hier noch um den Fall oder um das private Vergnügen der Ermittelnden? Beides vermischt sich derart, wie es kaum noch mehr möglich ist.
Die größte Stärke von „Gefahrengebiet“ hingegen liegt in den starken Figuren und Kontrasten: zwischen Wald und Stadt, zwischen Offen- und Begrenztheit, Beton und licht- oder nebeldurchfluteten Wäldern. Fest steht: Dieser „Tatort“ ist ein Muss, für diejenigen, die keinen klassischen Krimi sehen wollen – und für alle, die Corinna Harfouch zu ihrem Abschied nach sechs Folgen noch einmal in Bestform und mit viel Raum für ihre Figur sehen wollen.










