Risiko grüner Star
Mittel gegen Prostataprobleme könnte Sehkraft bedrohen
06.08.2026 – 16:47 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer wegen einer vergrößerten Prostata länger Tadalafil einnimmt, lässt besser seine Augen regelmäßig untersuchen. Das legt zumindest eine neue Studie nahe.
Der Wirkstoff Tadalafil ist eng verwandt mit Sildenafil („Viagra“). Er kommt hauptsächlich bei Erektionsstörungen zum Einsatz, aber auch zur Behandlung von Lungenhochdruck und gutartiger Prostatavergrößerung. Eine im Fachmagazin „British Journal of Ophthalmology“ veröffentlichte Studie hat nun ergeben, dass seine längerfristige Einnahme mit einem erhöhten Risiko für eine bestimmte Augenerkrankung verbunden sein könnte: dem Glaukom, auch grüner Star genannt.
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In Europa haben etwa zwei bis drei von 100 Menschen zwischen 40 und 80 Jahren ein Glaukom. Dabei kommt es zu einer zunehmenden Schädigung des Sehnervs, wodurch zunächst immer größere Lücken im Sehbereich entstehen und später auch die Sehschärfe abnimmt. Als wichtiger Risikofaktor gilt ein zu hoher Augeninnendruck.
Dauertherapie bei Prostataproblemen untersucht
Es gibt bereits seit Längerem Hinweise darauf, dass die Wirkstoffgruppe, zu der Tadalafil und Sildenafil gehören, verschiedene Augenprobleme verursachen kann. Ein Zusammenhang mit einem erhöhten Glaukomrisiko ist jedoch bislang nicht hinreichend wissenschaftlich belegt. Das trifft besonders auf die Fälle zu, in denen Tadalafil Prostatabeschwerden lindern soll, was für gewöhnlich eine langfristige tägliche Einnahme erfordert.
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Dazu wertete ein Forschungsteam Daten von insgesamt 73.854 Männern ab 40 Jahren aus. Die Hälfte von ihnen hatte wegen Prostatabeschwerden Tadalafil oder einen ähnlichen Wirkstoff erhalten, die übrigen Männer nicht. Ansonsten waren beide Gruppen so zusammengestellt, dass sie sich hinsichtlich weiterer möglicher Einflussfaktoren wie Alter, Begleiterkrankungen und Medikamenteneinnahme ähnelten.
Analyse enthüllt deutlich erhöhtes Risiko
Die Datenanalyse ergab: Das Risiko, ein Glaukom zu entwickeln, ist nach einer bis zu 5-jährigen Behandlung mit Tadalafil insgesamt deutlich (um 22 Prozent) erhöht. Zudem hatten die Männer der Behandlungsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe:
- ein um 32 Prozent höheres Risiko für einen erhöhten Augeninnendruck und
- ein um 33 Prozent höheres Risiko für ein primäres Offenwinkelglaukom, welches die häufigste Form der Augenerkrankung ist.
Das Forschungsteam stellte überdies fest, dass die mit Tadalafil behandelten Männer um 33 Prozent häufiger eine Glaukombehandlung begonnen hatten. Absolut betrachtet, entwickelten innerhalb von fünf Jahren 3,93 Prozent der Tadalafil-Anwender ein Glaukom, verglichen mit 3,16 Prozent in der Kontrollgruppe.
Was bedeuten die Ergebnisse?
Der Zusammenhang zwischen der Einnahme von Tadalafil und den erhöhten Risiken zeigte sich vor allem bei Männern über 50 Jahren und bestand auch dann, wenn die Augenprobleme bereits wenige Monate nach Behandlungsbeginn auftraten. Nach Ansicht des Forschungsteams könnten deshalb eine augenärztliche Untersuchung vor Beginn der Behandlung sowie regelmäßige Kontrollen während der Behandlung sinnvoll sein. Das gilt besonders für Männer mit bekannten Glaukom-Risikofaktoren wie etwa einem erhöhten Augeninnendruck oder Glaukomfällen in der Familie.











