Der Kulturverein „Gold + Beton“ kritisiert die geplanten Umgestaltungspläne für den Ebertplatz in Köln. Der Verein zweifelt an der Wirksamkeit und beklagt mangelnde Einbindung.
Ziel sei es, die Kriminalität auf dem Ebertplatz einzudämmen, nachdem es in der Vergangenheit wiederholt zu Drogendelikten, Raubüberfällen und Gewalttaten gekommen war. Doch der Verein „Gold + Beton“, der seit Jahren kulturelles Leben in die Passage bringt, übt scharfe Kritik an den Plänen – und fühlt sich übergangen.
Auf Anfrage von t-online äußert sich Meryem Erkuş, Leiterin des Kunstraums „Gold + Beton“ und Vorsitzende des Brunnen e.V., der die vier Kunsträume in der Passage vertritt, zu den Plänen der Stadt: „Wir schätzen die vorgezogenen Maßnahmen als nicht zu Ende gedachten Schnellschuss ein“, sagt sie. Die geplanten baulichen Eingriffe, so Erkuş, seien weder ausreichend evaluiert noch in einem größeren stadtgesellschaftlichen Zusammenhang erdacht worden.
Zentrale Fragen blieben laut dem Verein unbeantwortet. So gebe es keine Zahlen, aus denen die Polizei oder das Baudezernat ableiten können, dass eine Besserung eintrete. Bereits in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass polizeiliche Verdrängungstaktiken eher zu einer Verlagerung der Probleme führten – etwa nach den Maßnahmen rund um den Kölner Hauptbahnhof 2016 oder nach der Installation von Überwachungskameras im Jahr 2021.
Auch aus architektonischer Sicht sieht „Gold + Beton“ die Umbaupläne kritisch. Der Ebertplatz sei ein einzigartiger öffentlicher Raum, so Erkuş: „An keinem anderen Platz in Köln können sich mehrere Tausend Menschen regensicher aufhalten.“ Die Schließung der Eingänge, das Versperren von Sichtachsen und das mögliche Zumauern von Schaufenstern bedrohten diese Einzigartigkeit.
Besonders alarmierend: In einem der Pläne zur Umgestaltung sei vorgesehen, Schaufenster des Kunstraums „Mouches Volantes“ sowie des Lokals „African Drum Bar“ zuzumauern – bei letzterem sogar am Haupteingang. „Ein absolutes No-Go“, sagt Erkuş.
Laut Erkuş wurde der Kulturverein im Vorfeld der Entscheidung nicht eingebunden. Zwar sei man Teil eines offiziellen Begleitgremiums, doch „alle außerhalb der Verwaltung haben diese Informationen aus der Presse erfahren.“ Bei einer späteren Begehung zur Festlegung der Mauer-Positionen sei lediglich aus bautechnischer Sicht bewertet worden – stadtgestalterische, soziale oder kulturelle Aspekte hätten keine Rolle gespielt: „Die Kritikpunkte seitens der Mieterschaft und der Sozialarbeit wurden abgewiesen.“