
Organisation der Handball-EM
Nationaltrainer mit Wutanfall: „Eine absolute Schande“
Aktualisiert am 29.01.2026 – 19:09 UhrLesedauer: 3 Min.

Am Tag vor dem EM-Halbfinale zwischen Deutschland und Kroatien hatte die EHF zu einer Pressekonferenz geladen. Es wurde zu einer Schimpftirade des kroatischen Trainers.
Aus Herning berichtet Nils Kögler
Die Scheinwerfer heizten den Raum kräftig auf, doch auch metaphorisch herrschte dicke Luft bei der Pressekonferenz in der Jyske Bank Boxen im dänischen Herning. Das Gesicht von Kroatiens Nationaltrainer Dagur Sigurdsson bebte vor Ärger, als er zu einer Wutrede gegen die Organisation bei der Handball-Europameisterschaft ansetzte. „Das ist eine absolute Schande“, wetterte der Isländer, der im Jahr 2016 noch das DHB-Team zum EM-Titel geführt hatte.
Sigurdsson und seine Mannschaft hatten am Dienstag und Mittwoch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen noch Hauptrundenspiele im schwedischen Malmö gespielt und müssen am Freitag das Halbfinale gegen Deutschland im dänischen Herning bestreiten. Deutschland spielt seit Turnierstart in Herning. Am Donnerstag traten die Kroaten die Reise an und erschienen dann unmittelbar auf der Pressekonferenz. „Wir sind gerade erst um 14.30 Uhr angekommen, dann musste ich verpflichtend hier herkommen“, beschwerte sich Sigurdsson. „Weil wir lustigerweise nicht hier untergebracht sind, musste ich 45 Minuten fahren. Jetzt muss ich diesen Zirkus machen und dann 45 Minuten zurückfahren“, so der Isländer weiter.
So könne er erst gegen 18 Uhr im Mannschaftshotel sein und habe dann noch kein Training und kein Meeting mit den Spielern gehabt. „Das ist die Bestätigung, dass die europäische Handballföderation sich nicht um die Spieler und Teams schert. Sie sind wie eine Fast-Food-Firma. Ihnen ist die Qualität egal, sie verkaufen einfach“, wetterte Sigurdsson und legte noch einen Vergleich nach: „Sie sind wie eine Event-Firma. Sie bestellen ein paar Künstler, die eine gute Show machen sollen, eine schöne Pressekonferenz und es ist egal, dass wir heute Morgen eine vierstündige Fahrt aus Malmö hatten.“
„Wir hatten zwei Tage weniger als einige der Mannschaften in diesem Wettbewerb, um sieben Spiele zu bestreiten. Und jeder, der irgendetwas von Sport versteht, weiß, dass zwei Tage weniger Pause in einem Zeitraum von zwölf Tagen mit sieben Spielen verdammt viel sind. Verdammt viel“, so Sigurdssons Beschwerde.
Sie hätten die letzten zwei Spiele innerhalb von 22 Stunden absolvieren müssen, klagte Sigurdsson. „Am nächsten Morgen packen sie uns in einen Bus wie gefrorenes Hühnchen und fahren uns hierher.“
„Wir sind im Halbfinale“, erinnerte er. „Sie werben mit dem Slogan ‚Pure Greatness'“, sagte er in Bezug auf den Slogan der EM. „Wirklich? Ist das reine Großartigkeit? Es ist absolut schockierend“, schimpfte Sigurdsson weiter und beendete seine Tirade mit den Worten: „Also danke, ich werde sehr glücklich sein, wenn ich gehen kann. Lasst mich einfach wissen, wann ich das kann.“
Auf Nachfrage holte der 52-Jährige aber nochmal aus: „Es ist verstörend und ich akzeptiere derartige Dinge nicht“, begründete er seinen Protest. „Sie kümmern sich nur um die Show. Ich bin mir sicher, es wird ein paar Tänzer in der Halbzeit geben. Sie sind großartig darin“, sagte er abfällig. Nach insgesamt rund fünf Minuten war seine Wutrede dann aber beendet.











