Die drastische Erhöhung der Einfuhrzölle auf Autos durch US-Präsident Trump verunsichert die Autoindustrie. Ein Experte warnt vor Folgen – für europäische, aber auch amerikanische Hersteller.
Von 2,5 auf 25 Prozent: US-Präsident Donald Trump hat am Mittwochabend deutscher Zeit die Einfuhrzölle für nicht in den USA hergestellte Autos verzehnfacht. Fahrzeugteile sind ebenfalls betroffen. In der EU liegen die Zölle für aus den USA eingeführte Fahrzeuge bei zehn Prozent, für Pick-up-Trucks allerdings ebenfalls bei 25 Prozent. Auch Importe von Pick-up-Trucks in die USA sind bereits seit Längerem mit 25-Prozent-Zöllen belegt.
Die Erhöhung der US-Einfuhrzölle auf ausländische Autos wird die deutsche Autoindustrie treffen, glaubt der Ökonom Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. „Das wird Auswirkungen haben“, erklärt Puls t-online. Die höheren Zölle könnten tief in globale Lieferketten eingreifen – mit Konsequenzen für Hersteller und Kunden auf beiden Seiten des Atlantiks.
Zunächst werden die Auswirkungen von Trumps Entscheidung in der US-Wirtschaft zu spüren sein, so Puls: „Im ersten Moment trifft das die Amerikaner viel härter.“ General Motors sei beispielsweise stark mit Produktionsstätten in Mexiko verflochten. Auch fast alle Motoren des in den USA beliebten Modells Doge Ram kämen aus Mexiko. „Die Fahrzeugpreise in den USA werden daher wohl spürbar steigen.“
Thomas Puls arbeitet seit 2002 als Senior Economist für Verkehr und Infrastruktur beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Zuvor studierte er Volkswirtschaftslehre an der Christian Albrechts Universität zu Kiel und der Stockholms Universitet in Schweden.
Allerdings erwartet Puls auch deutliche Auswirkungen auf deutsche Unternehmen. Betroffen seien nicht nur die großen Automarken, sondern insbesondere Zulieferer, die international agieren. Laut Puls sei derzeit unklar, ob und wie stark sich die Industrie auf einen solchen Schritt vorbereiten konnte: „Das ist je nach Hersteller und Werk sehr unterschiedlich.“
Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland sind nicht einseitig: Die USA gelten laut Puls nach Wert als drittgrößtes Herkunftsland für Fahrzeugimporte nach Deutschland. Allein im vergangenen Jahr seien rund 136.000 Fahrzeuge aus den USA nach Deutschland importiert worden – ein großer Teil davon in den Vereinigten Staaten produzierte Modelle deutscher Hersteller, insbesondere höherpreisige SUVs.
Sorge besonders im Mittelstand
Porsche sei zum Beispiel besonders stark exponiert, da die Marke über keine eigenen Produktionskapazitäten in den Vereinigten Staaten verfüge. Gleichzeitig sei der US-Markt für Porsche von großer Bedeutung. Im Jahr 2024 gingen mehr als ein Viertel der Verkäufe nach Nordamerika.
Auch Zulieferer in Deutschland könnten stark betroffen sein. Puls verweist auf interne Umfragen, wonach 86 Prozent der mittelständischen Betriebe mit negativen Folgen rechnen – ein Drittel davon unmittelbar, rund die Hälfte über indirekte Effekte innerhalb der Lieferkette.

Viele deutsche Marken wie Mercedes oder BMW produzieren in Nordamerika selbst, was ebenfalls zu Problemen führen könne. Denn selbst bei Autos „Made in the US“ würden viele Komponenten weiterhin aus anderen Ländern stammen, insbesondere aus Mexiko oder Kanada. Auch diese Importe würden entsprechend mit Zöllen belegt werden, allerdings erst ab Anfang Mai.
Wie stark die Auswirkungen tatsächlich sein werden, hängt aus Sicht des Experten auch von der weiteren Entwicklung ab. Fest stehe jetzt schon: „Der Schritt der USA erhöht die Unsicherheit für die gesamte Branche.“ Zwar sei bei VW die Kernmarke weniger betroffen, da deren deutsche Produktion vor allem auf Europa ausgerichtet sei. Marken wie Audi oder Porsche könnten jedoch unter Druck geraten. Mercedes habe in den USA zuletzt steigende Absatzzahlen verzeichnet – dieser Trend wird angesichts der Teuerungen schwer zu halten sein.
„Meine Erwartung ist, dass nun erst mal der Absatz bei Fahrzeugen in den USA insgesamt zurückgeht“, erklärt Puls. Fahrzeuge wie Pick-up-Trucks und große SUVs machen dort rund 80 Prozent der Neuzulassungen aus. Diese sogenannten „Light Vehicles“ waren bereits vor der jüngsten Maßnahme mit 25 Prozent Zoll belegt – nun wird auch der Pkw-Bereich entsprechend betroffen sein. Erste Reaktionen an den Börsen deuten laut Puls auf eine angespannte Stimmung hin: Aktien amerikanischer und asiatischer Autohersteller sind bereits unter Druck geraten. „Offenkundig rechnet man auch dort bereits mit Zusatzkosten und Absatzrückgängen.“