Beschluss der Fraktionsspitzen
Koalition macht Ernst: „Rente mit 63“ vor dem Aus
28.08.2026 – 17:21 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Koalition hat sich in Münster geeinigt: Die „Rente mit 63“ soll fallen – als Teil eines Gesamtpakets, das nicht mehr aufgeschnürt werden soll.
Die Fraktionsspitzen von Union und SPD haben bei ihrer Klausur in Münster klargemacht, dass sie die Empfehlungen der Alterssicherungskommission noch in diesem Jahr als Gesamtpaket umsetzen wollen. Das bedeutet auch, dass die umstrittene Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren, bekannt als „Rente mit 63“, kommen soll. Damit haben sich die Regierungsparteien festgelegt – ein Zurück wäre politisch schwer zu erklären.
- „Rente mit 63“ vor dem Aus: Für diesen Jahrgang wird es eng
Was ist die „Rente mit 63“?
Der Name „Rente mit 63“ ist inzwischen irreführend. Als die Regelung 2014 unter der damaligen Großen Koalition eingeführt wurde, konnten bestimmte Jahrgänge tatsächlich mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen – vorausgesetzt, sie hatten mindestens 45 Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt. Seitdem wurde die Altersgrenze jedoch analog zum regulären Renteneintrittsalter schrittweise angehoben.
Wer 1964 oder später geboren wurde, kann frühestens mit 65 Jahren von dieser Regelung profitieren. Faktisch handelt es sich also längst um eine „Rente mit 64“ oder „Rente mit 65“ – umgangssprachlich ist die frühere Bezeichnung aber geblieben.
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Angerechnet werden neben klassischen Arbeitsjahren auch Kindererziehungs- und Pflegezeiten. Rund 30 Prozent aller neuen Altersrenten werden heute über diese Regelung bezogen. Sie ist damit alles andere als eine Ausnahme, sondern ein viel genutzter Weg in den Ruhestand. Lesen Sie hier, wer von der „Rente mit 63“ am meisten profitiert.
Warum soll diese Frührente abgeschafft werden?
Die Begründung für die Abschaffung ist vor allem demografischer und finanzieller Natur. Deutschland altert schnell: Bis 2040 werden voraussichtlich nur noch zwei Erwerbstätige einer Person im Rentenalter gegenüberstehen. Das Rentensystem gerät damit zunehmend unter Druck.
Laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung könnten durch die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte, wie die „Rente mit 63“ offiziell heißt, bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr eingespart und rund 125.000 Arbeitskräfte länger im Erwerbsleben gehalten werden.
Warum ist die geplante Abschaffung so brisant?
Weil sie Millionen Menschen betrifft – und weil die Regelung in beiden Koalitionsparteien treue Verteidiger hat. In der SPD gilt die „Rente mit 63“ als sozialpolitische Errungenschaft, die Menschen nach einem langen, oft körperlich harten Arbeitsleben einen würdevollen Ausstieg ermöglicht. Auch in der Union gibt es Stimmen, die vor einer Abschaffung ohne ausreichende Schutzregelungen warnen. Mehrere Ministerpräsidenten haben sich bereits gegen die Reformpläne positioniert.
