Nach SPD-Wahldesaster
Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig
23.03.2026 – 15:58 UhrLesedauer: 7 Min.
Nach der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz sind viele Genossen sauer, der Ruf nach einem radikalen Kurswechsel wird lauter. Doch dass es zu einer Parteirevolte kommt, ist zunehmend unwahrscheinlich. Auch aus einem recht einfachen Grund.
In der Not muss eben der Willy herhalten. Als die Parteichefs der Sozialdemokraten am Montagmorgen vor die Presse treten, stehen sie nicht wie üblich vor der roten SPD-Wand. Stattdessen sind die Mikrofone, eins hoch, eins niedriger, vor dem gläsernen Eingangsportal neben der Willy-Brandt-Statue aufgebaut.
Über das Warum kursieren hier vor Ort verschiedene Theorien: Ist das Ergebnis so desaströs, dass sie den Parteinamen möglichst dezent halten wollen? Oder wollen sie tatsächlich subtil auf die SPD-Legende verweisen, um die historische Tragweite der Lage zu betonen? Oder beides?
Erst mit Verspätung treten Lars Klingbeil und Bärbel Bas dann vor die Presse. Klingbeil ergreift zuerst das Wort, er spricht von einem „katastrophalen Ergebnis“, von einer harten, kontroversen, aber auch offenen Debatte, die zuvor im Parteipräsidium geführt worden sei. Und von nötigen Veränderungen, die die Partei nun angehen müsse. Während Klingbeil spricht, schaut seine Co-Chefin Bas zu Boden, muss schlucken. Als Bas schließlich spricht, stockt sie mehrmals, scheint mit der Fassung zu ringen. Die Wahlniederlage, die lange Nacht, die Debatte im Präsidium, all das scheint der SPD-Chefin zuzusetzen.
Klingbeil und Bas versuchen an diesem Montagvormittag auszutreten, was spätestens seit Sonntagabend um 18.05 Uhr in Teilen der SPD tobt: eine Debatte um das Führungspersonal. Klingbeil versucht es so: „Es ist deutlich geworden, und das war klare Meinung gerade im Präsidium, dass in der Phase, in der dieses Land gerade ist, bei den Herausforderungen, die dieses Land gerade zu bewältigen hat, wir nicht durch das Austauschen von Köpfen, sondern durch einen klaren programmatischen und strategischen Kurs jetzt die Zukunft bestimmen wollen.“
Viele Worte, um zu sagen: Wir Chefs machen weiter, aber irgendwie anders. Die Devise scheint zu lauten: die Personaldebatte erst aushalten, um sie dann abzuräumen.
Doch wie das künftig anders und vor allem besser laufen soll, und ob Klingbeil und Bas wirklich dazu in der Lage sind, bezweifeln in der SPD gerade viele. Das Grummeln in der Partei über den unklaren Kurs der Parteispitzen war schon vorher nicht zu überhören. Die verheerende Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz hat den Frust der Genossen weiter befeuert. Die SPD-Spitze fürchtet nun eine handfeste Revolte, die auch Teile der Führung wegspülen könnte. Doch wird es wirklich so weit kommen?












