In Deutschland ist dem Klimaforscher zufolge das El-Niño-Signal so schwach, dass es kaum aus dem normalen „Wetterrauschen“ heraussteche. Die vielleicht noch typischste Auswirkung auf Deutschland sei, dass es zu kälteren Wintern kommen könne. Dies trete aber nur bei El Niños auf, die ihre maximale Ozeanerwärmung im Zentralpazifik haben. Falls dieses Jahr ein El Niño komme, so werde er aber wahrscheinlich die maximale Erwärmung im Ostpazifik haben, prognostiziert Ludescher. „Damit ist in Deutschland 2026/2027 nicht mit einem kälteren Winter als sonst zu rechnen.“
Kristina Fröhlich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hebt einen anderen Aspekt hervor: „Eine stärkere Betroffenheit Europas ergibt sich aus den wirtschaftlichen Auswirkungen in den unmittelbar betroffenen Regionen auf die hiesige Versorgung“, schreibt sie t-online auf Anfrage.
Es geht unter anderem um Zucker, Kakao und Kaffee. Am Horn von Afrika, im Süden der USA, in Peru und Ecuador werden aufgrund der höheren Meeresoberflächentemperaturen stärkere Niederschläge registriert. Auf der anderen Seite des Pazifiks, in Südostasien und Australien, werde es hingegen tendenziell kälter, erklärt die DWD-Wissenschaftlerin: „Damit ist weniger Energie für die tropische Konvektion vorhanden, es regnet weniger.“ Das könne zu Ernteausfällen in diesen Staaten führen.
Laut Experten wie Andreas Becker, dem Leiter der Abteilung Klimaüberwachung des DWD, kann El Niño in Deutschland sogar zu Versorgungsengpässen bei importierten Lebensmitteln führen.
Einer der am stärksten von El Niño betroffenen Rohstoffe ist Experten zufolge Zucker. 2023 kletterte der Preis auf ein 13-Jahres-Hoch. Durch Ernteausfälle in Thailand und Indien sowie durch Überschwemmungen in Brasilien stieg er innerhalb eines Monats um 9,8 Prozent. Bei Kaffee verteuerte sich vor allem die Sorte Robusta, weil sowohl der weltgrößte Anbieter Vietnam als auch die dritt- und viertgrößten Exporteure Indien und Indonesien durch El Niño trockengelegt wurden. Beim Kakao treiben die Auswirkungen auf die westafrikanischen Produzenten Elfenbeinküste und Ghana die Preise in die Höhe.










