
Auf der Suche nach heißer Quelle
Tasmanien: KI schickt Touristen ins Nirgendwo
29.01.2026 – 12:35 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein KI-Blog bewirbt Thermalquellen im hintersten Winkel Tasmaniens. Wanderer strömen an den Ort und finden nichts. Eine Hotelbesitzerin kann darüber schmunzeln.
Eine Künstliche Intelligenz auf der Webseite eines australischen Reiseunternehmens hat Touristen zu einem Ort geführt, der gar nicht existiert. Der von einer KI generierte Blog auf der Seite von „Tasmania Tours“ hatte die sogenannten „Weldborough Hot Springs“ als „ruhige Oase“ und „Favorit unter Wanderern“ empfohlen. Doch die Thermalquellen, die angeblich in den Wäldern Nordost-Tasmaniens liegen sollten, existieren nicht. Das berichteten CNN und der australische TV-Sender ABC.
Die Folgen für das Unternehmen und die Region waren erheblich. Laut Kristy Probert, Besitzerin des Weldborough Hotels, begannen im September letzten Jahres Touristen anzurufen und vor Ort nach den Thermalquellen zu suchen. „Es waren zunächst nur ein paar Anrufe“, sagte Probert gegenüber CNN, „aber dann kamen die Leute in Scharen. Ich erhielt täglich fünf Anrufe und mindestens zwei bis drei Personen kamen ins Hotel, um nach ihnen zu fragen.“
Weldborough ist eine kleine, abgelegene Stadt etwa 110 Kilometer von Launceston (zweitgrößte Stadt Tasmaniens) entfernt. Gäbe es hier Thermalquellen, würden die Einheimischen es mit Sicherheit wissen. Probert reagierte deshalb auch mit Humor auf die Situation: „Ich habe jedes Mal gesagt: ‚Wenn Sie diese Thermalquellen tatsächlich finden, geht das Bier auf mich.'“ Tatsächlich sei der Weld River, der durch die Region fließt, „eiskalt“.
Was genau war passiert? Scott Hennessey, der Besitzer von „Australian Tours and Cruises“, das „Tasmania Tours“ betreibt, erklärte gegenüber ABC, dass die fehlerhafte Empfehlung durch die KI entstanden sei. Sie hatte offenbar „halluziniert“ und einen Text produziert, der teilweise völlig erfunden war. Das Unternehmen hatte nach Hennesseys Angaben eine externe Agentur damit beauftragt, KI-generierte Inhalte zu liefern. Normalerweise überprüfe er jeden Beitrag, so Hennessey. Doch der Blog mit der Falschinformation sei veröffentlicht worden, während er sich im Ausland befand.
„Unsere KI hat komplett versagt“, räumte Hennessey ein und erklärte: „Wir versuchen, mit den großen Playern mitzuhalten. Ein Teil davon ist, dass man seine Inhalte ständig aktualisieren und erneuern muss.“ Er betonte, dass sein Unternehmen keinen Betrug im Sinn hatte: „Meine Frau und ich führen das Unternehmen. Wir versuchen, den Menschen gegenüber korrekt zu handeln. Wir sind seriös und echte Menschen“.
Die Folgen für sein Reiseunternehmen seien verheerend. Gegenüber CNN erklärte Hennessey: „Der Online-Hass und der Schaden für unseren Ruf sind absolut niederschmetternd. Wir versuchen einfach, unser Leben weiterzuführen und die ganze Sache hinter uns zu lassen.“











