SpaceX war die Vorspeise, Anthropic ist der Hauptgang im Jahr der großen Börsengänge in den USA. Teuer wird es erneut.
Mit Anthropic steht nach dem SpaceX-Börsengang vom Sommer der nächste Höhepunkt in der IPO-Pipeline bevor. Es könnte einer der größten Börsengänge der Geschichte werden. Einen festen Termin gibt es noch nicht, doch der Markt rechnet für Mitte November mit dem Sprung aufs Parkett. Die Bewertung verursacht bereits im Vorfeld Diskussionen. Zwischenzeitlich waren zwei Billionen US-Dollar im Gespräch. Nach der jüngsten Präsentation der Geschäftszahlen liegen die Erwartungen allerdings eher bei 1,5 Billionen US-Dollar.
Ein Grund ist das nachlassende Wachstumstempo. Zwar legte der Quartalsumsatz zuletzt um 45 Prozent zu. Im zweiten Quartal hatte er sich allerdings noch mehr als verdoppelt. Hochgerechnet auf ein Jahr kommt Anthropic inzwischen auf rund 70 Milliarden US-Dollar Umsatz. Bei einer Bewertung von 1,5 Billionen US-Dollar würden Anleger somit gut das 20-Fache des hochgerechneten Jahresumsatzes bezahlen.
Wie finanziert Anthropic seine Rechenleistung?
Mindestens ebenso interessant ist die Frage, wie Anthropic seinen enormen Bedarf an Rechenleistung finanziert. Die langfristigen Verpflichtungen für Cloud-Dienste und KI-Infrastruktur sollen sich auf rund 500 bis 600 Milliarden US-Dollar belaufen. Allein auf Google und Amazon entfallen Verträge über zusammen etwa 220 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur innerhalb eines Jahres von 2,3 auf fast neun Milliarden US-Dollar.

Zur Person
Daniel Saurenz ist Gründer von Feingold Research und bietet mit seinem Team seinen seit 2010 etablierten Börsenbrief an. Sein Fokus liegt auf Vermögensaufbau und aktivem Trading an der Börse. Den Börsenbrief finden Sie auf www.feingoldresearch.de und auf www.instagram.com/saurenz_finance.
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Finanziert wird der Ausbau zunehmend auch über Kredite. Im Juni stellten Apollo, Blackstone und weitere Partner rund 35 Milliarden US-Dollar für zusätzliche Rechenkapazitäten bereit. Ein weiteres Finanzierungspaket über 60 Milliarden US-Dollar ist in Vorbereitung. Hinzu kommt das veränderte Zinsumfeld. Steigende Finanzierungskosten treffen besonders Unternehmen, deren erwartete Gewinne weit in der Zukunft liegen.
Viele hängen an der Stärke von Anthropic
Für Anleger sind auch die weitreichenden Verflechtungen interessant. Amazon und Alphabet sind sowohl Investoren als auch wichtige Geschäftspartner. Broadcom ist an der Chipversorgung beteiligt, während zahlreiche Hersteller von Halbleitern, Netzwerktechnik und Stromversorgung vom Ausbau der Rechenzentren profitieren. Auch Banken, Kreditfonds und institutionelle Investoren sind zunehmend eingebunden. Der Anthropic-Börsengang wird damit zu einem wichtigen Gradmesser für den gesamten KI-Sektor.
Für sehr aktive Anleger gibt es schon vor dem offiziellen Start die Möglichkeit, mit spekulativen Papieren dabei zu sein. Der Index Bakery Anthropic Reference Rate (USD) – Anthropic Index – ermöglicht es, die Preisentwicklung ausgewählter Derivate auf Anthropic bereits vor einem möglichen Börsengang nachzuvollziehen. Lesen Sie hier, was Derivate genau sind.













