Neue Studie
Kann ein Rheumamittel Depressionen lindern?
08.06.2026 – 12:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Medikament gegen Rheuma könnte Menschen mit schwer behandelbaren Depressionen helfen. Eine Studie liefert erste Hinweise.
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Doch bei etwa jedem dritten Betroffenen schlagen gängige Antidepressiva nicht ausreichend an. Forscher suchen deshalb nach neuen Behandlungsansätzen und richten ihren Blick zunehmend auf das Immunsystem.
Eine Studie der University of Bristol deutet nun darauf hin, dass ein bereits zugelassenes Rheumamedikament depressive Beschwerden lindern könnte. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht.
Entzündungen könnten eine Rolle spielen
Bislang konzentrieren sich die meisten Medikamente gegen Depressionen auf Botenstoffe im Gehirn wie Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin. In den vergangenen Jahren fanden Wissenschaftler jedoch immer mehr Hinweise darauf, dass bei einem Teil der Betroffenen auch das Immunsystem eine wichtige Rolle spielt und womöglich Entzündungsprozesse im Körper beteiligt sind. Denn etwa jeder dritte Betroffene weist erhöhte Entzündungswerte im Blut auf.
Besonders im Fokus steht dabei Interleukin-6 (IL-6). Dieses Eiweiß gehört zu den sogenannten Zytokinen, also Botenstoffen des Immunsystems, die Entzündungsreaktionen steuern. Das Rheumamedikament Tocilizumab blockiert gezielt den Rezeptor von IL-6 und dämpft dadurch Entzündungen im Körper. Die Forscher wollten herausfinden, ob sich auf diesem Weg auch depressive Beschwerden verbessern lassen.
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Kleine Studie mit vielversprechenden Ergebnissen
Für die Studie untersuchten die Forscher 30 Menschen mit mittelschweren bis schweren Depressionen, bei denen herkömmliche Antidepressiva nicht ausreichend geholfen hatten. Alle Teilnehmer wiesen zudem Anzeichen einer leichten Entzündung im Blut auf.
Ein Teil der Probanden erhielt das Medikament Tocilizumab, das unter anderem zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt wird. Die übrigen Teilnehmer bekamen ein Placebo. Anschließend wurden die Auswirkungen über vier Wochen beobachtet.
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Die Studie war zu klein, um eindeutige statistische Beweise zu liefern. Dennoch zeigten sich interessante Trends: Teilnehmer, die Tocilizumab erhielten, berichteten im Verlauf häufiger über eine Verbesserung ihrer depressiven Symptome. Auch Müdigkeit und Angstgefühle nahmen tendenziell ab, während die Lebensqualität zunahm.
Besonders auffällig: In der Tocilizumab-Gruppe erreichten 54 Prozent eine Remission ihrer Depression, die depressiven Beschwerden gingen also deutlich oder ganz zurück. In der Placebogruppe waren es 31 Prozent.
Noch kein neues Standardmedikament
Studienleiter Golam Khandakar spricht von einem wichtigen Schritt auf dem Weg zu neuen Therapien für schwer behandelbare Depressionen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass künftig stärker auf die biologischen Ursachen einer Depression geachtet werden könnte.











