US-Technologieinvestor Peter Thiel verschleiert gern seine politischen Verbindungen. Nun offenbaren interne Dokumente Teile seines Netzwerks. Darunter: der heutige Unionsfraktionschef Jens Spahn.
Lange Zeit wurde über Verbindungen des Unionsfraktionschefs im Bundestag, Jens Spahn, zum US-Tech-Investor Peter Thiel spekuliert; nun zeigen Recherchen von t-online: Seit fast zehn Jahren besucht Spahn diskrete Treffen eines von Thiel gegründeten Forums namens „Dialog“. Zugänglich sind sie nur auf persönliche Einladung der Organisation. Offenbar sind zahlreiche international prominente Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur unter den Gästen.
Thiel bezeichnet sich als „Libertären“ und formulierte unter anderem in einem Essay, dass er nicht an die Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie glaube. Staatliche Strukturen würde er gern durch unternehmerische Strukturen ersetzen. Seit etwa 2016 ist er als entschiedener Unterstützer von US-Präsident Donald Trump in Erscheinung getreten. Dem von ihm gegründeten Datenanalyse-Unternehmen Palantir begegnen Datenschützer mit rigoroser Kritik. Erst kürzlich beendete Frankreichs Inlandsgeheimdienst die Zusammenarbeit – man könne keine strategischen Abhängigkeiten in diesem Bereich dulden.
„Halten uns bewusst im Hintergrund“
Sein 2006 gegründetes „Dialog“-Forum hält sich dabei weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit, auch wenn es pro Jahr zwei Konferenzen ausrichtet, eine in den USA, eine in Europa. „Wenn du ‚Dialog‘ googelst, wirst du nicht viel finden; wir halten uns bewusst im Hintergrund“, heißt es in einer t-online vorliegenden Einladung, die sich an „weltweit führende Persönlichkeiten“ richtet.
„Die Menschen, die den größten Nutzen aus ‚Dialog‘ ziehen, sind in der Regel äußerst aufgeschlossen, intellektuell neugierig und bereit, authentisch zu sein.“ Es gebe keine Sprecher oder Podiumsdiskussionen, sondern ausschließlich moderierte Diskussionsrunden in kleinen Gruppen mit acht bis zwölf Teilnehmern. Das Versprechen: „Alles ist zu 100 Prozent vertraulich.“

Die versprochene Vertraulichkeit unterlief das Geheimforum nun allerdings selbst: Metadaten der für die Öffentlichkeit fast leeren Homepage offenbarten 113 Personen, die dort intern namentlich geführt werden. Darunter auch: Jens Spahn, der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag.
Die Schweizer Aktivistin und Hackerin Maia Arson Crimew machte sie öffentlich. Zuerst berichtete das US-Portal „Wired“ darüber. t-online konnte die Daten mithilfe von Internetarchiven verifizieren. Ob die Personen Teilnehmer oder Mitglieder von „Dialog“ sind, geht aus ihnen nicht hervor. Sie sind allerdings in Teilen deckungsgleich mit einer kleineren Liste 50 ausgewählter Mitglieder aus dem Jahr 2022, die t-online vorliegt. Auf ihr wird Spahn nicht erwähnt.
Auf erste Anfrage von t-online dazu sagte ein Pressesprecher Jens Spahns zunächst lediglich, Spahn habe für das 2026 geplante „Dialog Retreat“ in Irland eine Einladung erhalten, aber abgesagt. Fragen, ob er bereits früher Veranstaltungen besucht habe oder Mitglied der Organisation sei, beantwortete der Sprecher nicht.










