Folgen psychischer Belastung
Etwa jeder dritte Krebspatient zeigt diese Symptome
23.10.2026 – 11:54 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele Krebspatienten leiden seelisch, ohne dass man es ihnen ansieht. Eine Untersuchung mit mehr als 4.000 Patienten macht das Ausmaß deutlich.
Angst und Zukunftssorgen, Wut, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Mut- und Lustlosigkeit: Viele Menschen mit Krebs erleben diese Gefühle. Manche entwickeln bleibende psychische Beschwerden, bis hin zur posttraumatischen Belastungsstörung. Ein Wiener Forschungsteam hat nun untersucht, wie häufig diese bei Krebspatienten vorkommt. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Störung bislang zu wenig erkannt und beachtet wird.
Was genau ist PTBS?
Schlimme Erlebnisse, die tiefe seelische Spuren hinterlassen, werden als Trauma bezeichnet. Bei manchen entwickelt sich in der Folge eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Typisch für diese Störung ist beispielsweise, dass sich belastende Erinnerungen immer wieder ins Bewusstsein drängen.
Betroffene durchleben das Geschehen mitunter regelrecht erneut, etwa in Albträumen oder sogenannten Flashbacks. Viele schlafen schlecht, sind ständig angespannt, leicht reizbar oder schreckhaft. Manche meiden Orte, Menschen oder Gespräche, die sie an das Erlebte erinnern. Andere ziehen sich zurück, verlieren die Freude an vertrauten Dingen oder fühlen sich innerlich wie betäubt.
Dass Krebspatienten solche Beschwerden entwickeln können, ist schon länger bekannt. Wie verbreitet die PTBS über verschiedene Krebserkrankungen hinweg ist, war allerdings unklar.
Mehr als 4.000 Krebspatienten befragt
Ein Forscherteam um Amelie Fuchs von der Medizinischen Universität Wien befragte deshalb 4.103 erwachsene Patienten, die am Allgemeinen Krankenhaus Wien ambulant wegen Krebs behandelt wurden. Sie waren zwischen 18 und 96 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei rund 59 Jahren.
Während sie auf ihren Arzttermin warteten, beantworteten die Teilnehmer Fragen zu ihrem seelischen Befinden in den vergangenen sieben Tagen. Hatten sie Schlafprobleme oder Albträume? Waren sie besonders schreckhaft oder reizbar? Zogen sie sich von anderen Menschen zurück oder quälten sie Schuldgefühle? Auf einer vierstufigen Skala bewerteten sie, wie stark die jeweiligen Beschwerden ausgeprägt waren.
Aus den Antworten errechneten die Forscher einen Gesamtwert zwischen null und 24 Punkten. Je höher der Wert, desto stärker die psychische Belastung. Ab zehn Punkten galt der Test als auffällig und deutete auf eine mögliche PTBS hin. Ob die Patienten tatsächlich an der Störung litten, wurde jedoch nicht durch ein diagnostisches Gespräch überprüft.
Bei bestimmten Krebsarten kommt PTBS häufiger vor
Die Auswertung ergab: Bei etwa jedem dritten Krebspatienten sind die seelischen Beschwerden so ausgeprägt, dass sie auf eine mögliche PTBS hindeuten.
Besonders oft zeigten sich Hinweise auf eine PTBS bei Brustkrebspatienten: 39,7 Prozent erreichten im Fragebogen den kritischen Wert. Bei Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane waren es 37,2 Prozent, bei Kopf-Hals-Tumoren 36,1 Prozent.
Deutlich seltener waren auffällige Ergebnisse bei Hodenkrebs mit 20,5 Prozent und bei Tumoren der Nieren und Harnwege mit 26,4 Prozent. Allerdings waren manche Patientengruppen klein. So wurden beispielsweise nur 43 Menschen mit Krebs der weiblichen Geschlechtsorgane und 44 mit Hodenkrebs befragt.
Was bedeutet das für Menschen mit Krebs?
Die Studie hat einige Schwächen, die ihre Aussagekraft begrenzen. So bedeutet ein auffälliger Fragebogen noch nicht, dass jemand tatsächlich an einer PTBS leidet. Dafür wäre eine ausführliche fachliche Untersuchung nötig.
Hinzu kommt: Die Forscher befragten die Patienten nur einmal. Ob ihre Beschwerden über längere Zeit anhielten und wodurch sie ausgelöst wurden, lässt sich deshalb nicht sagen. Die verwendeten Fragen beruhen zudem auf älteren Diagnosekriterien. Auch wie lange die Patienten bereits an Krebs erkrankt waren und welche Behandlungen sie durchlaufen hatten, wurde nicht berücksichtigt.
