Debatte um Acht-Stunden-Tag
Institut: Arbeitszeit für bestimmte Berufe ausweiten
29.05.2026 – 01:33 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Institut der deutschen Wirtschaft fordert eine Aufweichung des Acht-Stunden-Tages. Den Anfang sollen Büroangestellte machen.
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat vorgeschlagen, die gesetzliche Höchstarbeitszeit nur für bestimmte Berufsgruppen auszuweiten. „Wenn man zu große Sorgen um den Arbeitsschutz hat, könnte man in einem ersten Schritt die gesetzliche Anpassung auf Beschäftigte konzentrieren, wo keine Gesundheitsrisiken drohen: die Bürobeschäftigten“, sagte IW-Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Der Acht-Stunden-Arbeitstag gilt seit 1918 in Deutschland. Derzeit gibt es Forderungen nach einer Aufweichung des Acht-Stunden-Arbeitstages. Die Koalition aus Union und SPD will nach den bisherigen Plänen stattdessen einen wöchentlichen Rahmen für die Arbeitszeit einführen, doch es gibt Streit um das Vorhaben. Die Arbeitgeber dringen auf Deregulierung und Entlastung. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt die Pläne ab. Im Arbeitszeitgesetz heißt es: „Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten.“ Nur in Ausnahmen sind zehn Stunden pro Tag möglich.
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IW-Direktor: Haben stärker dienstleistungsorientierte Gesellschaft
Stettes plädierte grundsätzlich für eine Reform der Regelungen zur täglichen Arbeitszeit. „Eine Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit kann Beschäftigten und Unternehmen helfen, private Wünsche und Anforderungen mit betrieblichen Notwendigkeiten besser auszubalancieren“, so der Experte.
Zuvor hatte sich auch der Direktor des IW für mehr Flexibilität ausgesprochen. Der Acht-Stunden-Tag sei für die Industriegesellschaft wichtig gewesen, sagte Michael Hüther vor zwei Wochen im ARD-„Morgenmagazin“. „Wir haben heute eine sehr viel stärker dienstleistungsorientierte Wirtschaft, wir haben ganz andere Bedingungen in den Familien, wo zwei arbeiten, und damit auch ganz andere Zeitausgleiche zwischen Arbeitszeit und Freizeit, zwischen Familie und Beruf zu organisieren sind.“
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte sich von der geplanten Abschaffung des Acht-Stunden-Tags distanziert. „Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag“, sagte Bas, die auch SPD-Chefin ist. Auf dem Bundeskongress des DGB rief sie dazu auf, gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften eine Lösung zu finden.












