Extremismusforscher bei „Sarah Tacke“

„Islamisten sind die besseren Sozialarbeiter“


31.07.2026 – 03:52 UhrLesedauer: 4 Min.

Extremismusforscher Ahmad Mansour: In der ZDF-Sendung „Sarah Tacke“ ging es um Islamismus in Deutschland. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler/imago)

Die Islamismus-Gefahr in Deutschland wurde relativiert, findet Extremismusforscher Ahmad Mansour. Er erklärt, wie Jugendliche radikalisiert werden.

Wie stoppen wir Islamisten? – so lautete wenige Tage nach dem CSD-Anschlag in Berlin die zentrale Frage der ersten Talksendung von Sarah Tacke. Fünf Wochen lang übernimmt die Moderatorin mit ihrem eigenen Format den ZDF-Sendeplatz von Maybrit Illner, während die in der Sommerpause ist.

Konsens herrschte am Donnerstag im Studio darüber, dass Islamismus ein ernstzunehmendes Problem in Deutschland ist. Bei der Frage danach, wer Verantwortung übernehmen müsse, deuteten die Gäste in verschiedene Richtungen.

Die Gäste

  • Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen
  • Düzen Tekkal, Kriegsberichterstatterin
  • Ahmad Mansour, Psychologe und Extremismusforscher
  • Tugay Sarac, muslimischer Queer-Aktivist

Kriegsberichterstatterin Düzen Tekkal sah bei der Politik Verfehlungen. „Ich habe das Gefühl, dass die Bundesregierung sich in einer Amnesie befindet, denn die islamische Gefahr war nie weg“, kritisierte sie.

Außerdem widersprach sie Moderatorin Tacke, die in ihrer Themeneinleitung über den Terrorangriff in Berlin erklärt hatte: „Wir waren alle gemeint.“ Sie sei nicht der Meinung, dieser Anschlag habe allen gegolten, erklärte Tekkal. Es habe sich insbesondere um einen Angriff auf queere Menschen, Minderheiten und die offene Gesellschaft gehandelt.

Innenminister Reul spricht Klartext

Extremismusforscher Ahmad Mansour tat sich mit einer Antwort auf die Frage, wer versagt hat, schwer. Aus seiner Sicht müssten sowohl Polizei als auch Justiz kritische Fragen beantworten. Hintergrund: Der Täter von Berlin war ein bekannter Islamist, der unter Polizeibeobachtung gestanden haben soll und außerdem Berichten zufolge nach einer Verurteilung vorzeitig aus der Haft entlassen wurde.

Mansour sah jedoch nicht nur staatliche Institutionen in der Verantwortung, er stellte auch klar: „Wir als Gesellschaft haben versagt.“ Islamismus sei von vielen Seiten relativiert und nicht ernst genommen worden. Rückenwind bekam er von NRW-Innenminister Herbert Reul. Es könne schon sein, dass der ein oder andere die Bedrohung durch den Islamismus nicht ernst nehme, bis ein Anschlag passiere, räumte der CDU-Mann ein.

Reul warb dafür, die Gefahr nüchtern zur Kenntnis zu nehmen und in der Bekämpfung die Mittel voll auszuschöpfen, die das Gesetz bereitstelle. Dazu zählen in NRW unter anderem eine Fußfessel, Gefährderansprachen oder Observationsmaßnahmen. Trotzdem erklärte Reul bei „Sarah Tacke“ auch: „100 Prozent Sicherheit wird man den Menschen nicht versprechen können.“

Neben Repressionsmaßnahmen ging es bei Tacke auch um präventive Arbeit im Kampf gegen religiöse Radikalisierung. Einig waren sich Reul, Tekkal und Mansour darüber, dass viele junge Leute in den sozialen Medien für den Islamismus gewonnen werden. Islamisten seien dort aktiv und beantworteten „normale Alltagsfragen“, erklärte Mansour.

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