Haushoch hat die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt gewonnen, gar die absolute Mehrheit scheint in greifbarer Nähe. Doch auch wenn es dafür nicht reicht, steht fest: Dieser Wahlabend bedeutet nichts Gutes, weder für den Kanzler noch fürs Land.
Noch ist offen, ob dieser Wahlabend in die Geschichtsbücher eingeht, ob die AfD tatsächlich die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt erringt oder ob sie knapp daran scheitert, wie es – Stand 20 Uhr – die Hochrechnungen nahelegen. Doch schon jetzt fest:
Diese Wahl ist ein Schock, ein politisches Erdbeben. Für alle Parteien jenseits der AfD, vor allem aber für den Bundeskanzler, für Friedrich Merz und für seine schwarz-rote Regierung in Berlin.
Dass die AfD in die Nähe einer Alleinregierung kommen könnte, das hatten in den vergangenen Wochen und Monaten schon zahlreiche Umfragen gezeigt. Zuletzt jedoch sah es so aus, als würde es für einen solch historischen Wahlsieg wohl doch nicht reichen – und das doch eher deutlich.
Es könnten noch mehr zur AfD abwandern
Nun aber könnte das eintreten, was in den Augen vieler nicht sein darf. Erstmals könnte eine Partei in einem Bundesland auf demokratischem Weg die Macht übernehmen, die die bundesdeutsche Demokratie im Grunde ihres Herzens ablehnt. Die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, die ein radikales Programm verfolgt, die in Teilen mit der „Remigration“ deutscher Staatsbürger liebäugelt, deren Hautfarbe oder Religion ihr nicht passt.
Doch auch wenn es dafür jetzt knapp nicht reichen sollte, keiner mit der AfD koalieren will und ihr Spitzenmann Ulrich Siegmund am Wahlabend eine Minderheitsregierung unter seiner Führung ausgeschlossen hat, lässt sich doch erahnen: Bei der nächsten Wahl in Sachsen-Anhalt, die ob der schwierigen Gemengelage früher kommen könnte als man denkt, könnten noch mehr Wähler zur AfD abwandern.
Das Beben von Magdeburg lässt darum unabhängig vom amtlichen Endergebnis in Berlin die Wände wackeln. In den Parteizentralen, vor allem aber im Kanzleramt.
Auch Schulze machte keine glückliche Figur
Klar ist: Diese Wahlschlappe für die CDU in Sachsen-Anhalt geht allen voran mit Merz nach Hause. Zwar stimmt, dass auch Sven Schulze, der für seine Spitzenkandidatur erst Anfang des Jahres den Ministerpräsidentenjob von Reiner Haseloff übernommen hatte, im Wahlkampf keine glückliche Figur machte – und damit ganz im Gegensatz stand zu AfD-Frontmann Siegmund, diesem jungen, charismatischen Typ, der immer ein Grinsen auf den Lippen hat.
Hauptmotivation für die vielen Neu-AfD-Wähler aber dürfte doch gewesen sein, der CDU und Merz, dem unbeliebtesten Kanzler seit Beginn entsprechender Umfragen, einen Denkzettel zu verpassen. Und das nicht ganz ohne Grund: Merz hatte vor der Bundestagswahl die Ziele und Erwartungen für seine anstehende Regierungsübernahme so hoch gesteckt, dass Enttäuschung unvermeidlich war. „Links ist vorbei“ versprach der damalige Wahlsieger im Februar 2025 – nur um wenige Wochen später gemeinsam mit der SPD etwa den größten Schuldenberg in der Geschichte der Bundesrepublik aufzutürmen.
