Isar Aerospace
Deutsche Rakete scheitert bei Test
25.03.2026 – 23:10 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Countdown war bereits abgelaufen. Trotzdem hob die Spectrum-Rakete des Münchner Unternehmens nicht ab.
Der zweite Startversuch der Spectrum-Rakete des Münchner Unternehmens Isar Aerospace ist auf dem norwegischen Weltraumbahnhof Andøya gescheitert. Der Start wurde abgebrochen, obwohl der Countdown bereits abgelaufen war. Die Ursache blieb zunächst unklar, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet.
Rund zwanzig Minuten vor dem geplanten Start um 21.21 Uhr hatte der Moderator der Livestream-Übertragung gemeldet, dass ein Boot in der Sicherheitszone rund um die Küstenstartbasis entdeckt worden war. Ob das mit dem Abbruch zusammenhing, blieb offen.
Isar-Aerospace-Chef und Mitgründer Daniel Metzler hatte die Erwartungen im Vorfeld bewusst niedrig gehalten. Bei einem Pressegespräch am Vortag sagte er, das Unternehmen wolle „signifikanten Fortschritt zeigen“. Als Vergleich verwies er auf SpaceX, das Raumfahrtunternehmen des US-Milliardärs Elon Musk: Auch SpaceX hatte vier Versuche gebraucht, bevor es ins All gelangte. Isar Aerospace plant in diesem Jahr weitere Starts; der Bau der dritten Spectrum-Rakete ist bereits weit fortgeschritten.
Ursprünglich sollte die Rakete bereits im Januar abheben. Wegen eines defekten Ventils verschob das Unternehmen den Start um zwei Monate. Ist die Spectrum eines Tages serienreif, soll sie zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen bringen. Metzler zufolge kommen mittlerweile rund 60 Prozent der Anfragen aus dem militärischen Bereich. Das Ziel des Unternehmens ist die Produktion von 40 Raketen pro Jahr. Trotz fehlender Serienreife sei Isar Aerospace nach Metzlers Worten bereits mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen Dollar bis 2028 ausgebucht.
Wie hoch das politische Interesse an dem 2018 gegründeten Unternehmen ist, zeigte sich am 13. März: Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte das Gelände in Andøya gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støre.
Der Hintergrund ist Europas weitgehende Abhängigkeit von fremden Trägersystemen. Die große Mehrheit europäischer Satelliten wird derzeit von SpaceX ins All gebracht. Metzler nannte Zahlen: Die USA hätten im vergangenen Jahr 198 Raketen gestartet, der Rest der Welt 124, Europa lediglich acht. Metzler betonte die Konsequenzen: „Die strategische Realität, mit der sich Europa konfrontiert sieht, ist, dass wir große Weltraumpläne haben können, aber wenn wir keine Straße ins All haben, wird das schwierig.“ Ohne Präsenz im Weltraum gebe es keine Frühwarnung vor Raketenangriffen, keine sichere Kommunikation und keine frühzeitige Reaktion auf Katastrophen.
Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner sieht in der Raumfahrtsouveränität einen wichtigen Aspekt, „gerade in Zeiten geopolitischer unsteter Zeiten“. Der frühere ESA-Leiter sagte der Deutsche Presse-Agentur, Europa sei im Bereich Erdbeobachtung und Satellitennavigation zwar aktiv, die Souveränität bei Trägerraketen habe sich aber lange „auf Ariane und Vega“ beschränkt. Mit Isar Aerospace, Rocketfactory Augsburg und HyImpulse sei Deutschland nun im Bereich der sogenannten Microlauncher aktiv, also bei kleineren Trägerraketen. Wörner verwies auf den besonderen Erwartungsdruck: „Der Druck auf erfolgreiche Starts ist speziell in Deutschland sehr hoch, während Elon Musk in USA auch Fehlschläge positiv kommentieren darf und gefeiert wird.“ Er fügte hinzu: „Diese Ausgangslage muss man bedenken und damit den Misserfolg von Isar bewerten. „Rockets are tricky“, schrieb Musk zurecht.“
Für größere Nutzlasten und höhere Umlaufbahnen ist die Spectrum ohnehin nicht ausgelegt. Daran arbeitet die französisch-deutsche ArianeGroup mit der Ariane 6, einer schweren Trägerrakete, die auch geostationäre Umlaufbahnen knapp 36.000 Kilometer über dem Erdboden erreichen kann. Die ArianeGroup plant in diesem Jahr sieben bis acht Starts dieses Typs. Eine eigene schwere Rakete steht bei Isar Aerospace vorerst nicht auf dem Programm, wie Metzler im Januar klargestellt hatte.












