
Das IOC schließt einen Athleten von den Winterspielen in Mailand und Cortina aus – wegen eines bedruckten Helmes. Die Entscheidung zeugt von Weltfremdheit und ist ein Kniefall vor einem Diktator.
„Keine Art von Demonstration oder politischer, religiöser oder rassistischer Propaganda ist an olympischen Stätten, Austragungsorten oder in anderen Bereichen erlaubt.“ So lautet Regel Nummer 50 der Charta des Internationalen Olympischen Komitees IOC. Wegen dieser Regelung ist der ukrainische Pilot Wladislaw Heraskevych vom Skeleton-Wettbewerb heute und morgen ausgeschlossen worden. Selbst IOC-Chefin Katy Coventry ist die Entscheidung offenbar so schwergefallen, dass sie in Tränen ausbrach.
Heraskevych hatte darauf bestanden, nicht nur im Training, sondern auch bei seinen vier regulären Wertungsläufen einen besonders verzierten Helm zu tragen: einen, der mit Bildern von Sportlerinnen und Sportlern bedruckt ist, die im Krieg Russlands gegen die Ukraine getötet wurden.
Die Entscheidung des IOC ist nicht nur eine Ohrfeige für die ukrainische Delegation. Ungewollt nimmt das IOC damit nämlich Partei für Russlands Präsidenten Putin, der für den Tod der Athleten verantwortlich ist. Sondern vor allem steht sie im Widerspruch zur olympischen Bewegung, die eine Friedensbewegung ist. Die Regel Nummer 50 hat noch nie dazu gepasst: Denn Olympia ist nicht politikfrei und war es auch in der Vergangenheit nicht.
Das sieht man schon daran, dass das IOC völlig willkürlich mit dem eigenen Regelwerk umgeht. Die Charta als solche verbietet jede politische Äußerung im Kontext der Spiele. Seit 2021 interpretiert die Organisation sie freier und erlaubt den Athleten vergleichsweise generös, sich am Rande der Wettkämpfe in den Medien auch freimütig über Politik auszulassen. Die Maßgabe ist, dass sich die Äußerung nicht explizit gegen andere Länder oder Rassen richten darf.
Heraskevych hat nicht in dicken Lettern „Nieder mit Putin“ oder „Tod allen Russen“ auf seinen Helm geschrieben, oder auch nur „Slava Ukraini“ („Ruhm der Ukraine“). Tatsächlich ist sein Helm optisch nichts anderes als das Foto, das der deutsche Gewichtheber Matthias Steiner 2008 nach seinem Olympiasieg in Peking in die Kamera hielt: Es zeigte seine zuvor tödlich verunglückte Ehefrau. Die Trauer um sie und ihr Andenken waren seine Motivation zu einer sportlichen Fabelleistung. Die Szene ging in die Sportgeschichte ein, und auf sie beruft sich auch der ukrainische Skeleton-Pilot.
Im Unterschied dazu hat Heraskevychs Helm natürlich einen politischen Subtext, den der Sportler vermutlich auch beabsichtigt. Er will daran erinnern, dass mitten in Europa ein Krieg tobt, Kriegsverbrechen stattfinden. Auch seine Sportkameraden starben in Putins völkerrechtswidrigem Krieg.











