Gängige Annahme widerlegt
Je älter, desto mehr Schmerzen? Laut Studie stimmt das nicht
06.10.2026 – 14:58 UhrLesedauer: 3 Min.
Je älter die Menschen, umso öfter haben sie Schmerzen: Laut einer großen Studie stimmt das so nicht. Tatsächlich ist der Häufigkeitsgipfel vieler Schmerzarten überraschend früh zu verzeichnen.
Beim Spazierengehen machen die Knie Probleme, nach langem Sitzen tut der Rücken weh, und der Nacken schmerzt ohnehin ständig: Im höheren Lebensalter ist zu erwarten, dass derartige Beschwerden immer häufiger vorkommen – oder? Eine große internationale Studie legt nahe, dass es so einfach nicht ist.
Vielmehr nehmen viele Schmerzarten bereits deutlich früher im Leben besonders stark zu. Der stärkste Anstieg zeigt sich bei zahlreichen Beschwerden schon vor dem 55. Lebensjahr. Manche erreichen ihren Häufigkeitsgipfel sogar im mittleren Erwachsenenalter und gehen danach wieder zurück. Schmerz folgt also offenbar keiner einfachen Regel nach dem Motto: je älter, desto mehr.
Angaben von mehr als sechs Millionen Menschen analysiert
Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Auswertung verschiedener Bevölkerungsstudien, in denen Menschen selbst angegeben hatten, ob und wo sie Schmerzen hatten. Insgesamt flossen Daten von 6.125.459 Menschen zwischen fünf und mehr als 100 Jahren in die Untersuchung ein. Die Teilnehmer kamen aus 118 verschiedenen Ländern und Regionen. Die Erhebungen hatten zwischen 1990 und 2025 stattgefunden.
Für die aktuelle Analyse musste das Forschungsteam die Angaben der Teilnehmer zunächst sortieren. Denn Schmerzen waren in den einzelnen Studien nicht immer auf dieselbe Weise erfasst worden. Manche konzentrierten sich etwa auf Beschwerden in der vergangenen Woche, andere nahmen einen längeren Zeitraum in den Blick. Teils wurden Körperstellen direkt abgefragt, teils auf Körperzeichnungen markiert.
Um die Ergebnisse trotz dieser Unterschiede zusammenfassen zu können, ordneten die Wissenschaftler die Angaben nach festen Regeln elf Körperregionen zu – darunter Rücken, Knie, Hüfte, Kopf und Bauch. Danach glichen sie die Daten so weit wie möglich an, damit sich die Ergebnisse der verschiedenen Studien miteinander vergleichen ließen.
Stärkster Anstieg schon im mittleren Alter
Schließlich berechneten die Forscher für jedes Alter, wie oft die jeweiligen Schmerzen auftraten und wie sich das über die Lebensspanne veränderte. Das Ergebnis: Dass Schmerzen mit dem Alter stetig zunehmen, stimmt nicht.
Bei allen elf untersuchten Schmerzarten lag die Phase mit dem stärksten Anstieg vor dem 55. Lebensjahr. Danach entwickelten sich die Beschwerden allerdings sehr unterschiedlich. Kopfschmerzen erreichten ihren Häufigkeitsgipfel im Modell bereits mit etwa 34 Jahren, Bauchschmerzen mit 23. Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen hingegen nahmen auch im höheren Alter weiter zu.
Noch deutlicher wird das Muster, wenn die Forscher die Stärke und Ausbreitung der Schmerzen betrachten. Die Wahrscheinlichkeit, irgendwo am Körper Schmerzen zu haben, nahm bis ins hohe Alter weiter zu. Besonders starke Schmerzen waren dagegen etwa um das 50. Lebensjahr am häufigsten. Beschwerden, die mehrere Körperregionen gleichzeitig betrafen, erreichten ihren Höhepunkt später, etwa um das 70. Lebensjahr – und gingen danach wieder zurück.
Frauen häufiger betroffen als Männer
Neben dem Verlauf über das Alter untersuchten die Forscher weitere Unterschiede. Unter anderem verglichen sie die Ergebnisse von Männern und Frauen und prüften, welche Rolle der Entwicklungsstand eines Landes sowie Rauchen, starkes Übergewicht und Einkommen spielten.
Zwischen den Geschlechtern war das Muster eindeutig: Frauen berichteten an allen elf untersuchten Körperregionen häufiger über Schmerzen als Männer. Besonders deutlich waren die Unterschiede bei Gesichts-, Kopf- und Bauchschmerzen.










