Rekord bei Landtagswahl
Immun gegen Skandale? Das AfD-Phänomen
Aktualisiert am 22.03.2026 – 19:50 UhrLesedauer: 4 Min.
Die AfD holt in Rheinland-Pfalz ihr bisher bestes Wahlergebnis bei einer Landtagswahl im Westen, Skandale scheinen von ihr abzuperlen. Woran könnte das liegen?
Wochenlange Debatten über Vorwürfe der Vetternwirtschaft haben der AfD offensichtlich nicht viel anhaben können. Auch andere Diskussionen scheinen an der Partei abzuperlen: Im Visier des Verfassungsschutzes wegen Extremismus-Verdachts, zahlreiche Recherchen über Rechtsextremismus in den Reihen der Partei, parteiinterne Querelen und Skandale – die AfD legt zu, auch im Westen.
Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz übertraf die Rechtspartei nach Hochrechnungen mit 20 Prozent das erst vor zwei Wochen in Baden-Württemberg aufgestellte Rekordergebnis von 18,8 Prozent bei einer westdeutschen Landtagswahl. Langfristig gesehen werde man bei diesen Prozenten nicht mehr darum herumkommen, die AfD in die Regierungsarbeit einzubinden, zeigte sich AfD-Chefin Alice Weidel nach der Wahl im ZDF selbstbewusst.
In Baden-Württemberg wurde die AfD nach Ansicht von 62 Prozent der Befragten in einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen „als Denkzettel“ gewählt und nur von 32 Prozent wegen ihrer politischen Forderungen. In Rheinland-Pfalz analysierte die Forschungsgruppe: Der Erfolg der AfD basiere wie auch anderswo auf einem Mix aus Protest, Unzufriedenheit und Überzeugung.
Es handele sich längst nicht mehr um eine Protestwahl, sagt die Sprecherin des Arbeitskreises Parteienforschung in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft, Anna-Sophie Heinze, von der Uni Trier. Die AfD habe sich inzwischen eine relativ feste Stammwählerschaft aufgebaut und auch im Westen ihre Unterstützung ausgebaut und gefestigt. Für die Stammwähler stellten die anderen Parteien keine Wahloption mehr dar. „Wenn die AfD nicht mehr zur Wahl stünde, würden die meisten von ihnen gar nicht mehr wählen gehen.“
„Die AfD ist keine „Ostpartei“ mehr“, sagt der Hallenser Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky. Im Westen gewinne sie viele Wähler in Regionen, die von starkem Strukturwandel betroffen seien und profitiere von Abstiegsängsten. Dass die Partei in Ostdeutschland noch höhere Zustimmung erfahre, liege an einer geringeren Parteibindung als im Westen. „Zum anderen gibt es ein verbreitetes Misstrauen in die herrschende Politik, oft kombiniert mit der Vorstellung, vom „Westen“ nach wie vor übervorteilt zu werden. Der AfD gelingt es, an diese Einstellungen anzuknüpfen.“
Und warum scheinen Skandale und Vorwürfe an ihr abzuperlen wie bei Trump? Nach Lewandowskys Ansicht wirken sie sich anders aus als für andere Parteien. Er sieht bei AfD-Wählern ein Misstrauen in die Politik insgesamt. „Entweder halten ihre Wähler die Vorwürfe für erfunden oder zumindest aufgebauscht. Oder aber sie zweifeln die Existenz des Skandals zwar nicht an, finden in den anderen Parteien aber trotzdem keine Alternative, die ihre Position verträte.“












