Neue Erkenntnisse
Hunde helfen gegen Stress – aber anders als gedacht
26.10.2026 – 17:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Dass Haustiere guttun können, ist wissenschaftlich belegt. Warum das so ist, blieb jedoch lange unklar. Eine neue Studie liefert nun überraschende Erkenntnisse.
Wer nach einem anstrengenden Tag sein Haustier streichelt, profitiert vermutlich anders als gedacht: Eine Studie der Universität Innsbruck hat ergeben, dass ein solcher Tierkontakt den körperlichen Stresspegel bei einer späteren Belastung mindern kann. Danach lässt das Streicheln Stress zwar nicht sofort schneller abklingen, scheint den Körper aber widerstandsfähiger für die nächste herausfordernde Situation zu machen. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Biological Psychology“.
Mit Hund zum Stresstest
An der Studie nahmen 64 Erwachsene mit ihren eigenen Hunden teil. Die teilnehmenden Frauen und Männer unterzogen sich im Labor einem zweimaligen Stresstest. Dazu mussten sie unter Zeitdruck Wissensfragen beantworten und Kopfrechenaufgaben lösen, während eine Person sie über einen Videoanruf beobachtete und ausschließlich negative Rückmeldung gab.
Nach dem ersten Test wechselten die Menschen für eine kurze Erholungsphase in einen anderen Raum. Dort durften sie ihren Hund streicheln, halten oder mit ihm kuscheln. Es folgte ein zweiter Test mit neuen Wissens- und Rechenaufgaben. In der anschließenden Erholungsphase war der Hund zwar wieder mit im Raum, durfte aber diesmal nicht berührt werden.
Vor und im Verlauf von beiden Tests zeichnete das Forschungsteam die Hirnströme und die Herzaktivität der teilnehmenden Frauen und Männer auf. Diese füllten außerdem vor und nach den Tests sowie am Ende der Erholungsphasen Fragebögen zur Bewertung ihrer emotionalen Empfindungen aus.
Nicht sofort entspannter, aber später belastbarer
Das Ergebnis war überraschend: Anders als erwartet, fand das Forschungsteam keinen Beleg dafür, dass das Streicheln des eigenen Hundes schneller aus einem Stresszustand heraushilft. Stattdessen fanden Herz und Gehirn nach dem ersten Stresstest bei allen teilnehmenden Personen ähnlich schnell in einen Ruhemodus zurück – unabhängig davon, ob solche Berührungen stattgefunden hatten oder nicht.
Anders sah es beim zweiten Stresstest aus: Bei denjenigen, die in der ersten Erholungsphase Körperkontakt zu ihrem Hund hatten, reagierte der Körper weniger stark auf die nachfolgende Belastung. Sowohl die Herzaktivität als auch bestimmte Hirnaktivitäten deuteten darauf hin, dass die Anspannung der Betroffenen geringer ausfiel.
Die Fragebögen offenbarten allerdings, dass die Befragten diese Unterschiede nicht unbedingt bewusst wahrnahmen: Wie gestresst sie sich fühlten, passte nicht immer zu den gemessenen Reaktionen von Herz und Gehirn. Der Körper kann also Stress bewältigen, ohne dass die Betroffenen dies unmittelbar als Entspannung erleben.
Berührung als wichtiger Schlüssel
Die neue Studie weist darauf hin, durch welchen Mechanismus die positiven Auswirkungen der Haustierhaltung auf das Wohlbefinden des Menschen zustande kommen: Entscheidend könnte die körperliche Nähe sein. Denn bei den teilnehmenden Personen ging es offenbar nicht allein darum, dass ihr Hund anwesend ist. Erst die Möglichkeit, ihn zu berühren, ging mit einer gedämpften Reaktion auf die nächste Belastung einher.
Was sich aus der Studie ableiten lässt
Zu beachten ist, dass an der Studie nur 64 Erwachsene mit ihren eigenen, vertrauten Tieren teilnahmen. Ob die Ergebnisse ebenso für andere Haustiere, für Menschen ohne Tiererfahrung oder für den oft komplexeren Stress im Alltag gelten, bleibt offen. Für Hundebesitzer sind die Ergebnisse aber erfreulich: Ein paar ruhige Minuten mit dem eigenen Tier können den Körper vielleicht besser auf das vorbereiten, was noch kommt.











