Jahrelanger Betrug?
Hochstaplerin soll sich 200.000 Euro erschlichen haben
Aktualisiert am 23.03.2026 – 12:37 UhrLesedauer: 3 Min.
Sie hat jahrelang als Lehrerin an verschiedenen Privatschulen gearbeitet. Doch sie soll gar keine entsprechende Qualifikation haben. Jetzt steht eine mutmaßliche Hochstaplerin vor Gericht.
Nachdem eine Frau jahrelang in mehreren Bundesländern ohne die entsprechende Qualifikation als Lehrerin gearbeitet haben soll, hat am Montag das Verfahren gegen die 41-Jährige am Heidelberger Landgericht begonnen. Das Gericht wirft der Frau laut einer Sprecherin unter anderem Betrug und Urkundenfälschung vor.
Der Frau drohen im Falle einer Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Betrugs bis zu zehn Jahre Haft. Sie war in der Vergangenheit bereits wegen ähnlicher Taten in Rheinland-Pfalz verurteilt worden. Die wichtigsten Fragen im Überblick.
Die Frau soll laut Anklage an Privatschulen in Heidelberg und im saarländischen Homburg jahrelang Mathematik, Physik und Chemie unterrichtet haben. Demnach hatte sie dafür mehrfach sowohl entsprechende Hochschulzeugnisse gefälscht als auch ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge erstellt. Allein in Heidelberg soll sie sich laut Gericht von 2021 bis 2024 einen Bruttolohn in Höhe von fast 200.000 Euro erschlichen haben – in Homburg von Januar bis April 2025 wiederum 11.000 Euro Gehalt.
Die Privatschule in der Region Heidelberg entließ die Frau, nachdem sie laut Anklage monatelang wegen einer angeblichen Krebserkrankung krankgemeldet gewesen war und dafür gefälschte Atteste vorgelegt hatte. Die Angeklagte zog daraufhin laut Gericht ins Saarland und arbeitete dort ab Januar 2025 an einer Privatschule. Wenige Monate später, im April, wurde ihre fehlende Qualifikation entdeckt und ihr wurde fristlos gekündigt. Ihr Anwalt gestand die Vorwürfe im Namen der Angeklagten ein. Ein Urteil könnte am 10. April verkündet werden.
„Ich empfinde extreme Scham“, sagte die 41-Jährige am Montag. „Ich bin unfassbar ungläubig, wie ich das schaffen konnte, wie ich das überhaupt machen konnte.“ Sie habe eine liebevolle Kindheit im rheinland-pfälzischen Landstuhl gehabt. Ihre Eltern seien beide Lehrer gewesen, erzählte die Frau mit leiser und teilweise gebrochener Stimme. Sie sei auch im Gymnasium Klassenbeste gewesen, habe ihr Abitur mit einem Schnitt von 1,3 abgelegt. Ihre Eltern hätten sich zu dem Zeitpunkt allerdings schon sehr auf ihren Bruder konzentriert, bei dem eine Veränderung im Gehirn gefunden worden sei.
Anschließend habe sie unter anderem Mathematik und Chemie auf Lehramt studiert, sei aber durch die erste Matheklausur gefallen – und habe sich dadurch nutzlos gefühlt. Jahrelang habe sie sich weiter um einen Studienabschluss bemüht, sei aber depressiv gewesen und habe eine Essstörung gehabt. Sie habe ihre Antidepressiva immer höher dosiert, um auch ihre Schlafprobleme zu behandeln. Letztlich habe sie das Studium abgebrochen. All ihre Familienmitglieder seien Lehrer gewesen, erklärte sie. Sie habe sich selbst unter Druck gesetzt, auch als Lehrerin zu arbeiten.











