Faszinierend und umstritten
Dieses Bremer Bauwerk gilt bis heute als Streitobjekt
Aktualisiert am 03.06.2026 – 19:39 UhrLesedauer: 2 Min.
Zurückhaltend von außen, doch innen ein architektonisches Juwel. Über dieses Gebäude streitet Bremen seit Jahrzehnten, vor allem die Historie ist problematisch.
Fast jeder Bremer dürfte schon einmal daran vorbeigelaufen sein. Doch was sich im Haus Atlantis in der Böttcherstraße verbirgt, wissen viele vermutlich nicht: ein spektakuläres Treppenhaus, ein fast mystischer Himmelssaal – und eine Geschichte, die bis heute polarisiert.
Von außen wirkt das Gebäude heute vergleichsweise zurückhaltend. Backstein, klare Formen, so kennt man die Böttcherstraße eben. Innen aber öffnet sich fast eine andere Welt. Eine Wendeltreppe aus Beton und Glas führt hinauf in den Himmelssaal. Blaue und weiße Glasbausteine tauchen den Raum in ein kühles Licht. Es wirkt, als steige man aus einer Unterwasserwelt empor. Der Name Haus Atlantis ist also passend gewählt worden.
Kaffee-Mogul gibt Bau in Auftrag
Entworfen wurde das Gebäude 1929 bis 1931 von Bernhard Hoetger. Auftraggeber war der Bremer Kaffee-Hag-Unternehmer Ludwig Roselius, der die Böttcherstraße zu einem Gesamtkunstwerk formen ließ. Das Haus Atlantis sollte mehr sein als ein Bauwerk. Es war Ausstellungsort, Clubhaus, Ort für Vorträge – und Ausdruck einer Weltanschauung, heißt es vom Landesamt für Denkmalpflege in Bremen.

Und genau dort beginnt die problematische Seite des Hauses. Roselius und Hoetger griffen Ideen des umstrittenen Mythenforschers Herman Wirth auf. Dieser vertrat die These, Atlantis habe in der Nordsee gelegen und sei Ursprung einer angeblich nordischen Hochkultur gewesen. Roselius fasste seine Sicht auf die Menschheitsgeschichte in den Satz: „ex okzidente lux“ – das Licht komme also nicht aus dem Osten, sondern aus dem Westen.
Das Haus wurde damit zu einer gebauten Atlantis-Utopie. Und noch deutlich problematischer: einer Utopie mit völkischer Aufladung.
Radikal anders: Bau provozierte bereits seit Beginn an
Schon damals provozierte der Bau. Die ursprüngliche Fassade war deutlich radikaler als die heutige. Über dem Eingang prangte der von Hoetger entworfene „Lebensbaum“, ein riesiges Holzrelief mit Sonnenrad, Kreuz und archaischen Symbolen. Besonders umstritten war eine Figur, die als gekreuzigter Odin-Christus gelesen wurde. Der Schriftsteller Rudolf Alexander Schröder spottete damals scharf: „Die gekreuzigte Alraune, ein hängendes Mißgeschöpf, ein Auch-Gekreuzigter, ist ein Hohn auf Bremen.“











