Sängerin im Interview
Peggy March: „Das hat der Schlager nicht verdient“
14.05.2026 – 19:16 UhrLesedauer: 4 Min.
In den Sechzigern wurde sie zum Star in Deutschland. Seitdem hat sich in der Schlagerbranche vieles verändert, wie Peggy March im Interview mit t-online betont.
In ihrer Heimat Amerika feierte sie bereits als Teenager Erfolge, erreichte 1963 mit gerade einmal 15 Jahren und dem Song „I Will Follow Him“ die Spitze der US-Charts. Doch vor allem ihre deutschen Titel machten Peggy March zum Star. „Mit 17 hat man noch Träume“ wurde zu einem der großen Schlagerklassiker der Sechziger. Hits wie „Memories of Heidelberg“ oder „In der Carnaby Street“ folgten.
Bis heute steht die Sängerin auf der Bühne, hat gerade erst ihre neue Single „Es gibt nicht nur das, was man sieht“ herausgebracht. Seit ihrem Durchbruch hat sich jedoch viel verändert, wie die 78-Jährige t-online erzählt. „Damals bin ich mit großen Orchestern aufgetreten – alles war live! Heute ist fast alles Playback“, kritisiert Peggy March.
t-online: Weshalb glauben Sie, wird auch in großen Shows mit Live-Bands Playback gesungen?
Peggy March: Playback ist preiswerter. Es ist alles schon aufgenommen, und man muss es nur noch abspielen. Ich persönlich singe gerne live. Mary Roos und ich haben früher oft unsere Texte und Choreografien gemeinsam geübt. Da musste alles sitzen, es ging Schlag auf Schlag ohne Werbepausen.
Was sagen Sie dazu, dass immer mehr Schlagersendungen wie „Immer wieder sonntags“ abgesetzt werden?
Ich finde das schrecklich und bin froh und glücklich, dass ich meine Karriere schon gemacht habe. Für Nachwuchskünstler gibt es im Fernsehen kaum noch Sendungen, in denen sie auftreten können. Deutschland schießt sich diesbezüglich selbst ins Knie. Das hat der Schlager nicht verdient. Er wird ohnehin oft belächelt. Und wenn das so weitergeht, werden viele begabte Menschen bald keinen Job mehr haben. Wenn dann auch noch KI dazukommt …

Wie lange möchten Sie noch auf der Bühne stehen?
Solange ich gesund bin – und das bin ich – und es mir Spaß macht, mache ich weiter. Ich werde mit 90 keinen Rock ’n‘ Roll mehr machen, aber ich bleibe noch ein paar Jahre. Ich liebe meine Arbeit und ich kann sowieso nicht nur rumsitzen und nichts tun. Ich arbeite auch weiterhin mit einer Gesangslehrerin an meiner Stimme.
Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?
Ich tue schon etwas für mein Aussehen, halte mich fit, mache Peelings und auch gewisse Dinge fürs Gesicht. Nur Botox lasse ich mir nicht spritzen. Das ist mir zu gefährlich. Und was ich an meinem Körper nicht unbedingt zeigen möchte, verstecke ich. Man kann ja wenig machen, ohne sich weh zu tun, deshalb habe ich mich noch nie liften lassen und werde es auch nicht tun. Ich denke immer, dass sich jeder mit dem, was er tut, wohlfühlen muss. Und wenn du damit glücklicher bist, dann mach es.











