
Für Hannawald fange dies bereits mit dem Sportsystem in Schulen an. Der Ex-Skispringer hält es nicht für den richtigen Weg, dass Kinder und auch Jugendliche erfolgsunabhängig belohnt werden. Er sehe die Entwicklung auch anhand seiner eigenen Kinder und erzählt: „Bei den Bundesjugendspielen bekommt jeder eine Urkunde und eine Medaille, das geht mir schon auf den Zeiger.“ Beim Schulwettbewerb gibt es Teilnehmer-, Sieger- und Ehrenurkunden.
Hannawald meint weiter: „Wenn wir mit meinem Kleinen auf einem Fußballturnier sind, dann steht von Beginn an fest, dass es eine Medaille gibt.“ Es sei zwar schön, dass jeder etwas bekomme. Er habe allerdings das Gefühl, dass man für die Medaille zum Teil nicht einmal anreisen müsse und sie auch zugeschickt bekommen würde. „Das kann es nicht sein. Die Kinder lernen nicht mehr, was verlieren bedeutet“, so der Team-Olympiasieger von 2002. Er selbst habe früher zwar auch nicht gerne verloren. „Aber ich habe auch fürs höhere Alter gelernt, wie man mit Niederlagen umgeht. Heute geht man jeder Niederlage aus dem Weg“, was dazu führe, „dass man eigentlich nichts macht“, so Hannawald.
Er könne und wolle jedoch keinem Trainerteam einen Vorwurf machen und glaubt, dass er selbst davon genauso betroffen wäre, wäre er heute aktiver Skispringer. „Ich denke langsam, dass es eine Generationsfrage ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Nachwuchsspringer noch weiterwollen. Sie sind da, sie schwimmen mit, sie geben ihre Interviews, aber abseits von Philipp Raimund habe ich bei der aktuellen Generation nicht den Eindruck, dass sie nach vorne will.“ Die Generation darunter würde einen zufriedenen Eindruck machen.
Hannawald ist der Meinung, dass das System geändert werden müsse. „Ein Trainer darf ruhig auch mal sagen, dass es scheiße war. Natürlich ist Lob immer wichtig, aber am Ende muss man mit Feingefühl mitgeben, dass gewisse Sachen einfach nicht gehen“, so der zweifache Weltmeister. Wenn er selbst einen Springer kritisiere, sei das auch nichts Persönliches.
„Es ist eine Art Weckruf für denjenigen, dass die Zeit nicht stehen bleibt“, meint Hannawald und erklärt: „Kritik ist nicht das, was ich gerne entgegennehme, aber auch zu unserer Zeit gab es viel Kritik. Man muss sich dem stellen. Man muss aber auch gelernt haben, wie man damit umgeht und wie man es richtig umsetzt.“ Hannawald weiß, wovon er spricht. Er hat das Skispringen in Deutschland populär gemacht – und wartet darauf, dass ein junges Talent auf ihn als Tourneesieger folgt.










