Die EU könnte als Reaktion gezielte Gegenzölle auf amerikanische Produkte wie Soja und Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder oder Jeans verhängen. Ähnlich war es bereits im Handelsstreit unter Trump 2018 der Fall. Diese Maßnahmen hätten aber vor allem symbolischen Charakter, weil das Handelsvolumen für diese Produkte gering ist.
Möglich wäre auch, Trump entgegenzukommen. Bestehende Zölle könnten herabgesetzt oder ganz abgeschafft werden. Würde auf diese Weise deeskaliert, träumen manche sogar von einem dann möglichen Freihandelsabkommen, bei dem die Zollgrenzen für bestimmte Wirtschaftssegmente auf beiden Seiten des Atlantiks schließlich fallen könnten.
Eskaliert der Streit allerdings weiter, würde die EU bei klassischen Zöllen wegen des großen Handelsüberschusses am kürzeren Hebel sitzen. Darum erwägen manche EU-Staaten eine Digitalsteuer, die vorwiegend große US-Technologiekonzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon treffen würde. Zudem könnte Europa Handelsabkommen mit anderen Partnern wie China oder Indien ausbauen, um die Abhängigkeit vom US-Markt zu verringern. Auch eine engere industriepolitische Zusammenarbeit innerhalb der EU, etwa durch verstärkte Subventionen für Schlüsselindustrien wie die Halbleiterbranche, steht zur Debatte.
Der Handelskonflikt verunsichert Unternehmen, die deshalb ihre Investitions- und Lieferkettenstrategien überdenken. Das könnte das Wachstum in Europa empfindlich bremsen. Gegenzölle auf US-Produkte können zwar als Druckmittel dienen, aber wiederum auch Gegenmaßnahmen der USA nach sich ziehen, die europäische Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche oder die Chemieindustrie noch stärker treffen könnten.
Sollte die EU eine Digitalsteuer einführen, könnte Washington mit Sanktionen oder Restriktionen für europäische Unternehmen im US-Markt reagieren, etwa gegen Banken. Für Verbraucher könnten sich digitale und Finanzdienstleistungen extrem verteuern, weil es keine ernst zu nehmenden europäischen Alternativen gibt, auf die man umsteigen könnte.
Trump will die Zölle aus zwei Hauptgründen drastisch erhöhen. Zum einen verfolgt er seine „America First“-Politik, die auf dem Versprechen basiert, amerikanische Arbeitsplätze zu schützen und die heimische Industrie zu stärken. Er betrachtet Handelsdefizite als Verlust für die USA und glaubt, dass höhere Zölle ausländische Unternehmen dazu bringen werden, entweder in den USA zu produzieren oder mehr amerikanische Produkte zu kaufen. Dies entspricht seiner transaktionalen Sicht auf internationale Beziehungen, in der er jeden Deal als Gewinn oder Verlust bewertet. Trumps Haltung steht dabei der gängigen Lehrmeinung entgegen, die den Abbau von Handelshindernissen hervorhebt.
Zum anderen nutzt Trump Zollandrohungen als Verhandlungstaktik, erzeugt damit ein „Umfeld von Angst“. Er bedient damit seine Wählerbasis, der er versprochen hat, härter gegen vermeintlich unfaire Handelspraktiken anderer Länder vorzugehen.
Wirtschaftlich droht eine gefährliche Inflationsspirale: höhere Importpreise, die direkt an die Verbraucher weitergegeben werden und somit die Lebenshaltungskosten anheben. Dabei hatte Trump im Wahlkampf genau das Gegenteil versprochen.