Häufiges Aufstoßen oder Rülpsen kann ein Warnsignal sein. Wenn Sodbrennen oder Magenschmerzen dazukommen, könnte eine Krankheit dahinterstecken.
Gelegentliches Aufstoßen ist völlig normal. Oft ist es Luft, die beim Essen geschluckt wird oder durch kohlensäurehaltige Getränke in den Magen gelangt, die sich den Weg über die Speiseröhre nach draußen sucht. Häufen sich die Fälle jedoch, ist das nicht nur lästig, sondern kann auch gesundheitlich bedenklich sein.
Ein Experte erklärt, auf welche Symptome Sie achten sollten und welche Maßnahmen Linderung schaffen.
Beim Aufstoßen, medizinisch Regurgitation, beziehungsweise Rülpsen wird meist geschluckte Luft wieder nach oben befördert. Das Schlucken von Luft wird von Medizinern Aerophagie genannt. Auch Gase, die bestimmte Lebensmittel im Magen bilden, können Aufstoßen herbeiführen, etwa Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Paprika oder Vollkornprodukte. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn man mehrmals am Tag aufstoßen muss. Hat sich zu viel Luft im Magen gesammelt, versucht der Körper, über den natürlichen Reflex „Druck abzulassen“. Aufstoßen ist eine häufige Folge von:
- Essen unter Stress
- viel Reden beim Essen
- Essen großer Portionen
- Trinken kohlensäurehaltiger Getränke
- Kaugummikauen
- Lutschen von Bonbons
- Verzehr von kalten Getränke oder Speisen
Auch Schwangere müssen häufig vermehrt aufstoßen. Hinter häufigem Aufstoßen können zudem Erkrankungen stecken, etwa eine Refluxkrankheit, eine Magenschleimhautentzündung oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Häufiges Aufstoßen kann daher ein Warnsignal sein.
Aufstoßen ist erst mal unbedenklich. Auch wenn mal etwas Speisebrei mit hochkommt oder das Aufstoßen sauer ist, ist das in der Regel unbedenklich. Aufmerksam sollte man werden, wenn sich öfter Nahrung aus dem Magen die Speiseröhre hochdrückt oder zum Aufstoßen regelmäßig Sodbrennen hinzukommt. Sodbrennen zeigt sich durch saures, brennendes Aufstoßen, bei dem Magensäure in die Speiseröhre bis hoch zum Rachen gelangen kann. Betroffene beschreiben ein Brennen hinter dem Brustbein.
Univ.-Prof. Dr. med. Heiner Wedemeyer ist Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Seit 2023 ist Wedemeyer außerdem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).
Hinter wiederkehrendem Sodbrennen kann die Refluxkrankheit stecken. „Die sogenannte gastroösophageale Refluxkrankheit, GERD (gastroesophageal reflux disease), ist die mit Abstand häufigste Ursache von häufigem Sodbrennen mit starker Schmerzsymptomatik, Aufstoßen und aufsteigendem Speisebrei“, erklärt Professor Heiner Wedemeyer, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover.
Fast jeder Mensch erlebt mindestens einmal in seinem Leben Sodbrennen. Meist hält das Brennen hinter dem Brustbein nur kurzzeitig an und ist nicht selten die Folge von üppigem, fettigem und süßem Essen. Wiederkehrendes Sodbrennen sollte behandelt werden.
„Die Schleimhaut der Speiseröhre kann durch häufigen Kontakt mit der Magensäure Schaden nehmen“, erklärt Wedemeyer. „Nicht nur Entzündungen und Schleimhautschädigungen sind die Folge. Durch den ständigen Säureangriff können sich die Schleimhautzellen langfristig so verändern, dass Speiseröhrenkrebs oder Magengeschwüre die Folge sein können.“
Häufiges Aufstoßen kann nicht nur auf eine Refluxerkrankung hindeuten. Auch andere Krankheiten können Aufstoßen verursachen, darunter:
- Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- ein geschwächter Muskel (Sphinkter) am Übergang von Speiseröhre und Magen
- Aussackungen (Divertikel) in der Speiseröhre
- eine verengte Speiseröhre
- Magengeschwür
„Um mögliche ernsthafte Erkrankungen frühzeitig zu entdecken, sollten sich Menschen ärztlich untersuchen lassen, die gehäuft sauer aufstoßen und bei denen das Aufstoßen von Übelkeit, Magendrücken und Brennen hinter dem Brustbein begleitet ist“, empfiehlt der Gastroenterologe.
Ob bestimmte Essgewohnheiten hinter häufigem Aufstoßen stecken, kann man herausfinden, indem man ein paar kleine Änderungen vornimmt und beobachtet, ob das Aufstoßen nachlässt:
- Essen Sie langsam und kauen Sie gut.
- Verzichten Sie eine Weile auf kohlensäurehaltige Getränke.
- Essen Sie mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt statt wenige große.
- Reduzieren Sie Kaffee, Schwarztee, Zucker und Fettiges.
- Reden Sie beim Essen nicht so viel.
- Trinken Sie keine eiskalten Getränke.
- Reduzieren Sie eine Weile gasproduzierende Lebensmittel.
- Trinken Sie nur wenig Alkohol.
„Verbessern sich Aufstoßen und Sodbrennen, deutet das darauf hin, dass tatsächlich die Ernährungsgewohnheiten ursächlich sind. Bleiben die Beschwerden weiter bestehen oder verschlimmern sie sich sogar, sollte ein Arzt aufgesucht werden“, sagt Wedemeyer.