Neue Langzeitstudie zeigt positiven Trend
Viele stark Übergewichtige haben heute gute Herzwerte
02.07.2026 – 13:34 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine Studie belegt: Wer stark übergewichtig ist, hat teils ähnlich gute Blutdruck- und Cholesterinwerte wie Normalgewichtige. Was das bedeutet – und was nicht.
Bislang war klar: Je mehr eine Person wiegt, umso höher ist auch ihr Risiko für Bluthochdruck und ungünstige Cholesterinwerte – und damit für gefährliche Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Grundsätzlich stimmt das nach wie vor. Allerdings scheint dieser Zusammenhang heute nicht mehr genauso stark ausgeprägt zu sein wie noch vor einigen Jahrzehnten: Zu diesem Ergebnis kommt eine große internationale Untersuchung im Fachjournal „The Lancet“.
Das liegt nicht etwa daran, dass Adipositas plötzlich unbedenklich geworden ist. Vielmehr dürfte die Entwicklung der verbesserten medizinischen Versorgung zuzuschreiben sein. Erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerte werden inzwischen deutlich häufiger frühzeitig erkannt und behandelt als früher.
Daten von knapp einer Million Menschen analysiert
Für die Studie ist ein internationales Forschungsteam der NCD Risk Factor Collaboration verantwortlich, die weltweit Daten zu Risikofaktoren für nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes sammelt. Geleitet wurde die aktuelle Analyse von Forschern der School of Public Health am Imperial College London.
Das Team wertete für die aktuelle Untersuchung wertete Daten aus 110 Gesundheitsstudien mit insgesamt 978.425 Erwachsenen im Alter von 20 bis 79 Jahren aus. Die Teilnehmer stammten aus der Allgemeinbevölkerung von sieben Industrieländern – darunter England, die USA, Finnland, Japan und Südkorea.
Die Forscher werteten Blutdruck- und Cholesterinmessungen aus den Jahren 1990 bis 2024 aus. So konnten sie untersuchen, wie sich diese Werte bei normalgewichtigen, übergewichtigen und adipösen Menschen im Laufe der Zeit verändert haben. Außerdem ermittelten sie, wie häufig die jeweiligen Gruppen Blutdruck- oder Cholesterinsenker einnahmen.
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Die Auswertung ergab: Seit den 1990er-Jahren sind Blutdruck und Cholesterinwerte in allen Gewichtsgruppen gesunken. Bei Menschen mit Adipositas fiel dieser Rückgang jedoch deutlich stärker aus als bei Normalgewichtigen. Dadurch ist der Unterschied zwischen beiden Gruppen mit den Jahren immer kleiner geworden.
Besonders deutlich zeigte sich das bei den 60- bis 79-Jährigen: In England und den USA hatten ältere Menschen mit Adipositas am Ende des Untersuchungszeitraums teilweise sogar ähnlich gute oder vereinzelt bessere Blutdruck- und Cholesterinwerte als Gleichaltrige ohne Übergewicht.
Das heißt: Während starkes Übergewicht früher meist mit deutlich schlechteren Herz-Kreislauf-Risikowerten einherging, ist dieser Unterschied bei vielen älteren Erwachsenen heute kaum noch vorhanden.
Wie aussagekräftig ist die Studie?
Mit knapp einer Million Teilnehmern, einem Beobachtungszeitraum von mehr als drei Jahrzehnten und national repräsentativen Gesundheitsdaten gehört die Studie zu den bislang umfassendsten Untersuchungen zu diesem Thema. Allerdings handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht beweisen, dass die Medikamente ursächlich für die besseren Werte sind. Hinzu kommt, dass sie sich ausschließlich auf sieben Industrieländer fokussierte. Ob sich ähnliche Entwicklungen auch in Ländern mit schlechterem Zugang zu medizinischer Versorgung zeigen, bleibt offen.
Bei Jüngeren zeigt sich ein anderes Bild
Anders sah es bei den unter 40-Jährigen aus. Hier hatten Menschen mit Adipositas weiterhin deutlich häufiger erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerte als Gleichaltrige mit normalem Gewicht. Die Forscher vermuten als Grund, dass junge Erwachsene nur selten Blutdruck- oder Cholesterinsenker einnehmen – unabhängig davon, ob sie normalgewichtig oder adipös sind.











