„Toiletten wären wichtiger“
Italien: Gratis-Trinkwasser in Trient erzürnt Wirte
22.04.2026 – 11:15 UhrLesedauer: 2 Min.
Wenn es heiß auf italienischen Straßen und Plätzen wird, freuen sich Touristen und Einheimische über einen Wasserbrunnen. Die Gastronomie sieht das anders.
Eine neue Wasserstation in der Innenstadt von Trient (Trentino) verursacht Streit. Die Stadt will bis Ende des Monats auf der Piazza Fiera einen kostenlosen Trinkwasserspender aufstellen. Das gefällt vielen Gastronomen nicht.
Die Anlage, genannt „Casa dell’acqua“, soll an das Leitungsnetz angeschlossen werden und ganz in der Nähe der Tourismusinformation gekühltes, gefiltertes Wasser bieten. Die für ihre Renaissance-Paläste berühmte Stadt will damit Einheimische und Touristen in den heißen Monaten besser versorgen und Plastikmüll reduzieren.
Vor allem die örtlichen Gastronomen sind aber unzufrieden. Ihr Verband Confcommercio hält das Projekt für unnötig. Vertreter Walter Botto sagte der Tageszeitung „Corriere del Trentino“: „Wir wollen nicht polemisch sein, aber das ist eine unnötige Initiative.“ Trient sei eine kleine Stadt. „Die Einwohner müssen sich nicht auf dem Weg nach Hause oder zur Arbeit mit Wasser versorgen. Anders ist es bei Touristen, die wirtschaftlich bedeutungsvoll für die Region sind“, so Botto. Sie kämen oft in die Restaurants, um nur eine Flasche Wasser zu kaufen und sich kurz hinzusetzen. Dann würden sie häufig noch mehr bestellen. Botto sagte: „Mit dem Spender werden wir benachteiligt. Wir hoffen, dass nicht noch weitere aufgestellt werden.“
Auch die Kosten stehen in der Kritik. Die Stadt investiert den Angaben nach rund 35.000 Euro in die Wasserstation. Gastronomen meinen, das Geld wäre besser in öffentliche Toiletten investiert. Botto erläutert: „Für eine Stadt, die touristisch sein will, wären moderne und saubere öffentliche Toiletten vielleicht sinnvoller gewesen. Unsere Betriebe ersetzen oft die fehlenden öffentlichen WC.“ Früher hätten die Urlauber wenigstens eine Kleinigkeit bestellt, um die Toilette zu nutzen. „Heute beobachten ich und viele Kollegen, dass viele nur hereinkommen, das WC benutzen und wieder gehen, ohne etwas zu bestellen.“
Außerdem kritisieren die Betriebe, dass sie vorher nicht einbezogen wurden und die Anlage optisch nicht gut in die Altstadt passe. Trotz der Kritik hält die Stadt an ihrem Plan fest. Sie sieht darin einen Beitrag zum Umweltschutz und einen Service für Besucher.












