Er hatte seinerseits Spiegelberg grob festgehalten und sein T-Shirt zerrissen, als der nach dem planmäßigen Ende des Protests und vor Eintreffen der Polizei in die nahe U-Bahn steigen und heimfahren wollte. Das Verfahren deshalb wurde eingestellt.

Henry Lindemeier: Die offenen Fälle

Vorläufig eingestellt wurde auch das Verfahren gegen einen Mann, der Lindemeier am 24. September 2024 beim Verlassen des Russischen Hauses unvermittelt mit der Faust gegen die linke Kopfseite schlug. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. Stattdessen steht Lindemeier im November vor Gericht, weil wegen dieses Vorfalls gegen ihn verhandelt wird. Der Vorwurf: versuchte gefährliche Körperverletzung.

Nachdem er den Unbekannten angezeigt hatte, erhielt die Polizei vom Russischen Haus ein kurzes Video. Darauf ist zu sehen, wie Lindemeier mit seiner Fahne in Richtung eines weggehenden Mannes schlägt, sie auf Schulterhöhe aber abstoppt. Der Mann wird offenbar nur vom Fahnenstoff berührt und reagiert überhaupt nicht. Wegen dieser Szene leitete die Polizei von Amts wegen ein Verfahren gegen Lindemeier ein. Er erhielt einen Strafbefehl über 50 Tagessätze zu 30 Euro.

Lindemeier hat dagegen Einspruch eingelegt, deshalb kommt es zum Prozess. „Es wird immer wieder versucht, mich zu unbedachten Reaktionen zu provozieren“, sagt er. „Ich habe mich da aber zum Glück immer sehr im Griff gehabt, auch wenn es manchmal sehr schwierig ist.“

Russland versucht, Lindemeier als Gewalttäter darzustellen. Als in Prag ein Brandanschlag auf das dortige Russische Haus mit geringem Schaden verübt wurde und der Sender RT berichtete, wurde eine Passage, in der es hieß: „Wer die besagten Terroristen in etwa sein könnten“, mit einem Link versehen. Dieser führt zu einem Bericht über Lindemeiers Demos in Berlin.

Das Russische Haus forderte im Juni 2025 in einem Brief an die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel die „unverzügliche strafrechtliche Würdigung und Durchsetzung bereits laufender Verfahren“. Auch solle ein permanentes Platzverbot gegen Lindemeier in direkter Umgebung des Gebäudes erteilt werden. Von „nahezu täglichen provokativen, aggressiven und volksverhetzenden Aktionen“ schrieb der inzwischen abgelöste Direktor der Einrichtung. Ein solcher Brief beeinflusse die Tätigkeit der Polizei nicht, heißt es von der Pressestelle.

Polizeibeauftragter: „Polizei verneint Vorwurf glaubhaft“

Beim Polizeibeauftragten des Landes Berlin, Alexander Oerke, gab es wegen des Vorgehens der Polizei am Russischen Haus 2025 mehrere Beschwerden, eine von Lindemeier. Oerke stellte dieses Verfahren ein, weil Lindemeier mit den Bedingungen für ein Schlichtungsverfahren mit dem Polizeiabschnitt nicht einverstanden gewesen sei. Lindemeier sagt, er habe daran nur mit Anwalt teilnehmen wollen.

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