
Dass Zverev dabei als Verlierer vom Platz ging, war allerdings das Dramatischste an diesem lauen Sommerabend in Victoria. Denn dieses Spiel hätte er nicht verlieren müssen. Der 28-jährige Weltranglistendritte hatte grandiose, kaum zu verstehende Gewinnschläge auf den Platz gezaubert. Und ebenso aber unerklärliche Fehler gemacht. Am Ende waren es zu viele davon.
In den entscheidenden Phasen agierte der Deutsche zudem zu zögerlich. Er bereue, dass er das Spiel nicht frühzeitig in seine Richtung gelenkt hatte, so der Deutsche auf der Pressekonferenz nach der Partie. „Der zweite Satz“, sagte er, „den hätte ich gewinnen müssen, vor allem da ich auch noch Aufschlag hatte.“
Welche enormen Chancen er doch im Verlauf des gesamten Matches ungenutzt ließ. Nicht nur im zweiten Satz. Da hatte er bereits mit 5:2 in Führung gelegen – und schenkte ihn doch noch her. Er hatte im fünften Satz mit 5:3 vorne gelegen – und ließ Alcaraz immer wieder herankommen. Er sei in manchen Situationen wohl zu vorsichtig gewesen, habe nicht aggressiv genug gespielt, gab er auf der Pressekonferenz zu. Fragt sich nur, warum?
Fast war es, als wolle Zverev sich und den Teil des Publikums, der mit ihm sympathisierte, einer sadistischen Lustbehandlung unterziehen. Vielen Zuschauern blieb dabei mehr als einmal das Herz stehen und auch Zverev war hinterher völlig fertig. „Ich hatte absolut nichts mehr im Tank“, gab er hinterher in der Pressekonferenz zu. „Ich habe gerade gar keine Emotionen mehr, ich bin einfach nur erledigt“. Am Ende gewann Alcaraz verdient mit 6:4, 7:6, 6.7, 6.7, 7:5.
„Wie um alles in der Welt hast du dieses Match gewonnen?“, fragte Courier den 22-Jährigen noch auf den Platz. „Du musst an dich glauben, das ist alles. Ich habe nie daran gedacht, dass ich dieses Spiel verlieren könnte“. Besser hätte man den entscheidenden Unterschied nicht benennen können. Zwei große Athleten standen sich an diesem Nachmittag in Melbourne gegenüber. Einer glaubte mehr an sich.









