Neue Studie
Forscher entschlüsseln Detail in van Goghs „Sternennacht“
26.10.2026 – 11:45 UhrLesedauer: 2 Min.
Vincent van Goghs „Sternennacht“ gilt als eines der berühmtesten Gemälde der Welt. Nun haben Forscher ein lange gehütetes Geheimnis des Meisterwerks gelüftet.
Der Nachthimmel in Vincent van Goghs „Sternennacht“ geht offenbar auf eine tatsächliche Beobachtung zurück. Forscher ordnen die Himmelskörper auf der Leinwand einem konkreten Zeitpunkt zu: dem Morgengrauen des 22. Juli 1889 über Saint-Rémy in Südfrankreich.
Die Untersuchung, die kürzlich im Fachjournal „Scientific Reports“ erschien, geht auf eine Zusammenarbeit des südkoreanischen Unternehmens SLLAB und der Kyung Hee University in Seoul zurück.
Bislang war das Werk auf Mitte Juni 1889 datiert worden. Grundlage dafür war ein Brief, den van Gogh am 18. Juni an seinen Bruder Theo schrieb und in dem er eine „neue Studie eines Sternenhimmels“ erwähnt. Von einer Vollendung ist darin nicht die Rede. Als real galt an dem Bild lange nur die Venus. Der übrige Himmel wurde als Erinnerung, Fantasie oder Symbolik gelesen. Zwei astronomische Deutungen aus den 1980er-Jahren kamen zu sich widersprechenden Ergebnissen, weshalb bislang nie einwandfrei bewiesen werden konnte, ob das Werk auf einer tatsächlichen Beobachtung basierte.
Darum passt das ursprüngliche Datum nicht
Die ältere These, das Bild zeige den 19. Juni 1889 und im Zentrum das Sternbild Widder, halten die Forscher für unhaltbar: Der Widder war in der Dämmerung kaum noch zu erkennen, er hätte am Bildrand gestanden statt in der Mitte – und der Mond war an diesem Tag mehr als halb beleuchtet, im Gemälde ist dagegen eine schmale Sichel zu sehen.

Dazu kommen historische Wetterdaten aus Südfrankreich: Der Juni 1889 brachte nur vier heiße Tage von 30 Grad oder mehr, der Juli achtzehn. Das passt besser zu einem Brief, in dem van Gogh die „Sternennacht“ im Zusammenhang mit Mittagshitze und Zikaden erwähnt.
Wann das Bild begonnen und ob es später überarbeitet wurde, klärt die Analyse nicht; statt von einem einzelnen Tag gehen die Forscher von Eindrücken mehrerer Nächte aus, deren Mitte der 22. Juli am besten trifft. Auch andere Sternbilder erreichten rechnerisch ähnlich gute Werte, scheiden aber durch Helligkeit und Blickfeld aus.
Van Gogh selbst nannte die „Sternennacht“ eine „Übertreibung, was die Anordnung betrifft“. Genau darauf stützen die Autoren ihren Schluss: Eine Übertreibung setze etwas Reales voraus, das übertrieben wird. Ihr Verfahren wollen sie künftig auf weitere historische Nachtbilder anwenden.












