
Angeschlagener Konzern
Baywa-Chef Hiller muss gehen – nach nicht mal einem Jahr
09.01.2026 – 19:53 UhrLesedauer: 2 Min.
Der bayerische Agrarkonzern Baywa stand schon am Rande der Pleite und muss sich dringend sanieren. Doch über den Firmenkurs gab es offenbar Streit an der Spitze.
Der Chef des schwer angeschlagenen Münchner Agrarkonzerns Baywa, Frank Hiller, verlässt das Unternehmen. Hiller scheide mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand aus, teilte die Baywa am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Seine Aufgaben würden von den anderen Vorstandsmitgliedern übernommen. Der Grund für das Ausscheiden Hillers seien unterschiedliche Auffassungen über die mittel- bis langfristige Strategie des Unternehmens, erklärte die Baywa. Die Restrukturierung komme unterdessen voran und werde nun weiter aktiv vorangetrieben, sagte Aufsichtsratschef Gregor Scheller.
Es war die dritte Aufsichtsratssitzung binnen einer Woche. Bereits am Dienstag hatte das Gremium über eine Trennung von Hiller beraten, allerdings noch keinen Entschluss gefasst. Auch bei einer zweiten Sitzung am Donnerstag konnten sich beide Seiten nicht einigen. Einem Insider zufolge ging es zuletzt vor allem um finanzielle Fragen. Hiller hatte bei seiner Ernennung im März 2025 einen Dreijahresvertrag erhalten. Dieses Dienstverhältnis endet nach Baywa-Angaben nun am 31. Juli 2026 und damit vor dem Ende der eigentlich vereinbarten Laufzeit.
Bei den genossenschaftlichen Baywa-Eignern wuchs Insidern zufolge in den vergangenen Monaten der Unmut über Hiller. Der Aufsichtsrat hatte sich nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Personen von der Bestellung des ehemaligen Deutz-Chefs eine Strategie für das Unternehmen versprochen, die über die Zeit bis 2028 hinausgeht. Für die Sanierung selbst soll Chefsanierer Michael Baur zuständig sein. Doch Hiller habe mehrere Gelegenheiten verstreichen lassen, um seine Vorstellungen für die Zukunft des Agrarkonzerns vorzustellen, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Stattdessen habe es ein Kompetenzgerangel im Vorstand mit Baur gegeben. Künftig soll dieser nun das Ressort Strategie übernehmen, erklärte die Baywa.
Hiller forderte immer wieder öffentlich eine Aufklärung des Debakels bei dem Agrarhändler, der zeitweise am Rand der Pleite stand. So sagte er bei der Hauptversammlung im August, die Kultur bei der Baywa müsse sich in einigen Teilen ändern. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Sommer gegen ehemalige Vorstände. Dabei geht es um den Konzernlagebericht 2023 und um die Darstellung der Finanzierungs- und Liquiditätsrisiken. Auch die Baywa selbst hat eine Unternehmensberatung beauftragt, die Vorgänge um die Fast-Pleite zu untersuchen. Einem Insider zufolge legte sich Hiller mit Aufsichtsräten an. In den vergangenen beiden Monaten sei daraufhin unter dem Codenamen Aufzug die Trennung von dem Manager vorbereitet worden.
Die Baywa steckt derzeit mitten in einer tiefgreifenden Sanierung. 2024 wurde das Grundkapital durch den Verlust von 1,6 Milliarden Euro restlos aufgebraucht. Ein schuldenfinanzierter Expansionskurs im Ausland hatte das Traditionsunternehmen an den Rand der Pleite geführt. Mit Verkäufen und der damit verbundenen Entschuldung soll aus einem weltumspannenden 24-Milliarden-Euro-Konzern 2028 ein Unternehmen werden, das im Agrar- und Baustoffhandel zehn Milliarden Euro umsetzt und mit 8.000 Mitarbeitern 400 Millionen operatives Ergebnis erwirtschaftet.










