
Erstaunlicher Grund
Darum wenden sich Deutsche vom Fahrrad ab
10.02.2026 – 07:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Eigentlich ist Fahrradfahren beliebt – doch ausgerechnet der Service wird für viele zum Hindernis. Eine aktuelle Studie zeigt, welche Folgen das für das Fahrverhalten hat.
Deutschland ist ein Land der Fahrräder. Rund 74 Prozent der Menschen besitzen aktuell ein Rad, fast jeder hat im Laufe seines Lebens zumindest eines besessen. Doch wer mit einem Defekt in die Werkstatt muss, braucht oft Geduld. Eine neue, europaweite Studie des Komponentenherstellers Shimano zeigt nun: Probleme bei der Wartung und der Reparatur führen dazu, dass viele Menschen seltener oder gar nicht mehr Fahrrad fahren. Besonders in Deutschland stößt die Service-Infrastruktur offenbar an ihre Grenzen.
Laut der repräsentativen Erhebung berichten hierzulande 46,6 Prozent der Menschen, die ein Fahrrad besitzen oder besessen haben, von Hindernissen bei Wartung und Reparatur. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld. Während in vielen süd- und osteuropäischen Ländern vor allem ein Mangel an Fahrradgeschäften oder ungünstige Öffnungszeiten genannt werden, ist es in Deutschland vor allem ein anderes Problem: die Verfügbarkeit von Terminen. 33,1 Prozent der von den Hindernissen Betroffenen geben an, dass sie zu lange auf einen Werkstatttermin warten mussten – der höchste Wert aller untersuchten Länder.
Diese Engpässe wirken sich unmittelbar auf das Verhalten der Radfahrer aus. Wer zeitnah keinen Service bekommt, sucht nach Alternativen. Laut der Studie versuchten 26,9 Prozent der Betroffenen, ihr Fahrrad selbst zu reparieren. 21,8 Prozent gaben an, stärker auf andere Verkehrsmittel zurückzugreifen. 20,7 Prozent fuhren seltener Fahrrad als zuvor, 16,4 Prozent hörten ganz mit dem Radfahren auf.
In der Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren geben europaweit rund 60 Prozent an, von Serviceproblemen betroffen zu sein. Bei Menschen über 40 Jahren liegt dieser Anteil deutlich niedriger. Für die Autoren des Berichts ist die Wartung damit ein bedeutsamer Moment: Sie entscheidet darüber, ob Menschen beim Radfahren bleiben oder sich abwenden.
Aus Sicht des Fahrradfachhandels kommen diese Ergebnisse nicht überraschend. Der Verbund Service und Fahrrad (VSF) sieht mehrere strukturelle Ursachen. Zwar würden in Deutschland seit Jahren stabil rund vier Millionen Fahrräder pro Jahr verkauft, ein großer Teil dieses Umsatzes entfalle jedoch auf wenige große Anbieter. Diese hielten vielfach nicht die notwendigen Servicekapazitäten vor, die der hohen Zahl verkaufter Räder entsprächen. Kleinere und mittlere Fachhändler würden einen Teil dieses Defizits auffangen, könnten dies aber ohne entsprechende Erlöse aus dem Verkauf nicht vollständig kompensieren. Sprich: Der kleine Händler um die Ecke kann nicht das auffangen, was der Filialist am Stadtrand beim Service nicht leisten kann oder will.










