Trotz höherer Inflation
EZB belässt Leitzins unverändert
Aktualisiert am 29.10.2026 – 14:36 UhrLesedauer: 3 Min.
Hohe Preise für Heizen und Tanken infolge des Iran-Kriegs treiben die Verbraucherpreise nach oben. Dennoch wartet die EZB vorerst ab. Das hat auch mit der Lage in Frankreich zu tun.
Die Europäische Zentralbank (EZB) verzichtet trotz stark gestiegener Inflation vorerst auf eine weitere Zinserhöhung. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,5 Prozent. Das hat der EZB-Rat bei seiner Sitzung in Frankfurt entschieden, wie die Notenbank mitteilte. Kurz vor Verkündung der Zinsentscheidung hatte die EZB bekannt gegeben, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde zum 7. Februar 2027 zurücktreten wird. Regulär wäre ihre achtjährige Amtszeit bis Ende Oktober nächsten Jahres gelaufen.
Dass teure Energie als Folge des Iran-Kriegs die Verbraucherpreise in die Höhe treibt, wäre für die Euro-Währungshüter zwar ein Argument für die dritte Zinsanhebung im laufenden Jahr gewesen. Im September war die Inflationsrate im Euroraum wegen hoher Spritpreise auf 3,8 Prozent geklettert, das ist der höchste Stand seit drei Jahren.
Sparer profitieren von höheren Leitzinsen, wenn Banken die Konditionen weitergeben. Zugleich werden Kredite teurer, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann. Doch höhere Zinsen belasten auch alle, die investieren wollen. Das kann die Konjunktur bremsen.

Angespannte Lage in Frankreich
Auch die politisch aufgeheizte Lage in Frankreich sprach dafür, dass die EZB sich vorerst alle Optionen offen halten will. Bei Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten gab es in Deutschlands Nachbarland, wo im April 2027 Präsidentschaftswahlen stattfinden, jüngst schwere Ausschreitungen und Plünderungen.
Haushaltspolitisch spitzte sich die Lage in Frankreich ebenfalls zu: Für die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft, die gemessen an der Wirtschaftskraft fast doppelt so hoch verschuldet ist wie Deutschland, verteuerte sich die Aufnahme neuer Schulden an den Finanzmärkten zuletzt deutlich.
Im Herbst 2025, als es in Frankreich schon einmal kriselte, wurde an den Finanzmärkten darüber spekuliert, ob die EZB dem Land mit dem Kauf von Staatsanleihen beistehen würde. Die Notenbank kann mit ihrem Programm TPI („Transmission Protection Instrument“) im Krisenfall unbegrenzt Anleihen einzelner Eurostaaten kaufen. Dafür gibt es aber hohe Hürden: Gedacht ist das Instrument für den Fall, dass die Zinsen für Wertpapiere eines Eurostaates durch Finanzspekulation unverhältnismäßig stark hochschnellen. EZB-Präsidentin Lagarde dämpfte jüngst Gerüchte über ein Einschreiten der Notenbank wegen der Krise in Frankreich.
Zinserhöhung nur aufgeschoben?
Auch bei der Inflation steht die EZB unter Handlungsdruck. Volkswirte halten eine weitere Zinserhöhung bei der letzten Sitzung des EZB-Rates in diesem Jahr Mitte Dezember für denkbar. Dann liegen ihr auch neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vor und verschaffen der Notenbank mehr Klarheit darüber, ob und wie stark sich die höheren Energiepreise auf andere Preise auswirken, etwa auf Lebensmittel. Auch mögliche Zweitrundeneffekte gelten als Risiko: Steigen Löhne als Reaktion auf hohe Inflation zu stark, könnte das die Preise weiter nach oben treiben.












