Wolfgang Grupp

Ex-Trigema-Chef gibt seine Waffe ab

Aktualisiert am 04.05.2026 – 16:05 UhrLesedauer: 3 Min.

Wolfgang Grupp: Ehemaliger Chef des Bekleidungsunternehmens Trigema (Archivbild). (Quelle: Marijan Murat/dpa)

Wolfgang Grupp hat aus seinem Suizidversuch Konsequenzen gezogen. Der frühere Trigema-Chef gibt seinen Revolver ab – auch seinen Jagdschein ist er los.

Wolfgang Grupp war lange Zeit das, was man in Deutschland einen Patriarchen nennt. Seiner Firma Trigema stand er von 1972 bis 2023 als Chef vor. Dann gab er das operative Geschäft an seine Nachfolger ab, er selbst rückte in den Hintergrund. Doch leise wurde es um den Unternehmer nie. Regelmäßig schaltete Grupp sich in gesellschaftliche Debatten ein, äußerte sich etwa zu Wirtschaftspolitik, Steuern oder Rente. Im vergangenen Jahr machte er mit einem Suizidversuch Schlagzeilen.

Aus dem Vorfall hat der frühere Trigema-Chef nun Konsequenzen gezogen. „Mein Revolver, den ich aus Sicherheitsgründen hatte, ist nicht mehr da“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Mein Sohn hat ihn unter Verschluss.“ Auch seinen Jagdschein habe er nicht mehr.

Der 84-Jährige hatte den Suizidversuch Mitte vergangenen Jahres öffentlich gemacht. Er habe an Altersdepression gelitten und sich Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt noch gebraucht werde, hieß es in einem Brief an seine ehemaligen Mitarbeiter. Er bedauere sehr, was geschehen sei und würde es gerne ungeschehen machen, hatte der Unternehmer geschrieben.

Zudem erklärte Grupp, er habe den Schritt sofort bereut. Er sprach von einer belastenden Phase nach der Übergabe des Unternehmens, in der er sich eingeredet habe, nicht mehr gebraucht zu werden, sagte Grupp im Gespräch mit dpa. Mehr als 2.000 Zuschriften habe er nach dem Suizidversuch erhalten, viele davon von Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befunden hätten. „Das hat mich sehr bewegt.“

Inzwischen nehme er Medikamente und arbeite weiterhin im Unternehmen mit – wenn auch mit geringerer Belastung. Die Verantwortung liege heute bei seinen Kindern. Zugleich fordert Grupp von den Deutschen einen Mentalitätswandel im Hinblick auf ihre Leistungsbereitschaft. So müsse die gestiegene Lebenserwartung sich auch in einer längeren Lebensarbeitszeit niederschlagen. „Wenn wir älter werden, dann müssen wir auch länger arbeiten“, sagte Grupp.

Der Unternehmer aus dem schwäbischen Burladingen kritisierte, dass diese „Logik“ politisch kaum diskutiert werde. Es könne nicht sein, dass man einfach immer länger Rente bekomme. Als Berater sei er auch mit 84 Jahren noch täglich im Büro. Auch habe er in 55 Jahren nie Kurzarbeit eingeführt und keinen Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen entlassen. Selbst in schweren wirtschaftlichen Krisen wie der Corona-Pandemie habe er an garantierten Arbeitsplätzen und Löhnen festgehalten.

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