Früherer Frankfurt-Profi
Verhaftet nach Gottschalk-Auftritt – was macht Gaudino heute?
10.06.2026 – 14:48 UhrLesedauer: 3 Min.
Einst galt Maurizio Gaudino als begnadeter Spielmacher und unbequemer Rebell. Besonders seine Frankfurter Jahre hatten es in sich.
Im November 1994 stand Maurizio Gaudino im Waldstadion in der Startelf gegen SSC Neapel – gegen die Stadt, aus der seine Eltern stammten. Es war einer seiner stärksten Momente im Eintracht-Trikot. Wenige Wochen später wurde er verhaftet.
Heute, mit 59 Jahren, ist Gaudino zurück im Fußball, allerdings weit unten in der Liga-Pyramide. Seit der vergangenen Saison arbeitet er als Sportbeirat beim VfR Aalen, einem Oberligisten auf der Ostalb. Dort geht es nicht um Titel, sondern um den mühsamen Wiederaufbau eines abgestürzten Traditionsklubs.
Meister mit Stuttgart, dann ab nach Frankfurt
Begonnen hatte alles in der Heimat: Gaudino, in Brühl bei Mannheim als Sohn italienischer Einwanderer geboren, gab 1984 beim SV Waldhof Mannheim sein Profidebüt. 1987 wechselte er zum VfB Stuttgart und wurde dort zum Dreh- und Angelpunkt – 1992 mit dem Meistertitel als Höhepunkt. Ein Jahr später wechselte er zu Eintracht Frankfurt. Was folgte, war die turbulenteste Phase seiner Karriere.

Danach wurde es ruhelos. Über Eintracht Frankfurt ging es 1995 leihweise zu Manchester City (21 Spiele, vier Tore), anschließend nach Mexiko zu Club América, später zum FC Basel, zum VfL Bochum und nach Antalyaspor in die Türkei. Am Ende kehrte er dorthin zurück, wo er angefangen hatte, nach Mannheim. Insgesamt stehen 294 Bundesligaspiele und 48 Tore zu Buche, dazu fünf Länderspiele mit einem Treffer.
Eklat, Verhaftung, Verurteilung
Im Frühjahr 1994 verweigerte Gaudino gemeinsam mit Anthony Yeboah und Jay-Jay Okocha ein Sondertraining unter Trainer Jupp Heynckes. Yeboah und er wurden suspendiert. Trotzdem stand Gaudino im November noch in Frankfurts Startelf gegen Neapel – ehe wenige Wochen später alles eskalierte.

Direkt nach einem Fernsehauftritt bei Thomas Gottschalks Late-Night-Show wurde Gaudino Ende 1994 verhaftet. Der Vorwurf: Beteiligung an einem organisierten Versicherungsbetrug mit als gestohlen gemeldeten Luxusautos. 1996 verurteilte ihn das Amtsgericht Mannheim zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer hohen Geldstrafe.
Bei der WM 1994 nur Zuschauer
Dazwischen lag noch die WM. Bundestrainer Berti Vogts hatte Gaudino 1994 für das Turnier in den USA nominiert – eingesetzt wurde er kein einziges Mal. Aus nächster Nähe erlebte er mit, wie das deutsche Team an sich selbst zerbrach – an Stefan Effenbergs Mittelfinger gegen die eigenen Fans und am Viertelfinal-Aus gegen Außenseiter Bulgarien.












