Clueso singt seit Jahrzehnten über die Liebe, Trennungen und One-Night-Stands. Warum es ihm dagegen nicht leichtfällt, über seine Gefühle zu sprechen, verrät er t-online.
Es dauere noch ein paar Minuten, Clueso müsse sich noch umziehen, heißt es vor dem Interview im House of New Energy im Quartier „Am Tacheles“ in Berlin. Am Abend wird der Sänger hier ein Konzert für rund 150 geladene Gäste geben. Als er dann kommt, sieht er aus, wie seine Fans ihn kennen: Chucks, dunkle Hose, helles Shirt, leichte Jacke, die Haare gewollt zerzaust. Er posiert noch einige Sekunden in einem vom Veranstalter gestellten historischen DeLorean DMC-12 für Fotos, bevor er die Hand zur Begrüßung ausstreckt.
Mit t-online spricht der Sänger darüber, was ihn zu Tränen rührt, warum er seinen Eltern Songs schreibt und wie es ist, mit dem eigenen Bruder zu arbeiten.
t-online: Clueso, warum singen Sie ständig über Ihre Gefühle?
Clueso: Ich singe darüber, weil es mir schwerfällt, über meine Gefühle zu sprechen. Wenn Freunde mich fragen, wie es mir geht, umschiffe ich die Frage oft. Wenn ich unterwegs bin, antworte ich nur knapp: Bin gut angekommen. Die Frage danach, wie es mir wirklich geht, ist mir manchmal zu komplex.
Zur Person
Clueso, der eigentlich Thomas Hübner heißt, wurde 1980 in Erfurt geboren. Seit den Nullerjahren ist er als Sänger und Songwriter mit deutschsprachiger Musik erfolgreich. 2007 war er die Vorband von Herbert Grönemeyer, 2011 erschien „Cello“, ein Song mit Udo Lindenberg. Im Februar 2026 veröffentlichte Clueso sein zehntes Studioalbum „Deja vu 1/2“.
Und deshalb beantworten Sie sie in Ihren Songs?
Ja, ich mache das mit mir und in der Musik aus. Ich mag die Melancholie. Sie ist mein ständiger Begleiter und ich kann mich ihr in der Musik hingeben. Wenn ich Musik mache, kann ich traurig sein, aber trotzdem happy.
Ich schreibe lieber Moll- als Dur-Akkorde, also Akkorde, die eine eher traurige Stimmung vermitteln. Ich mache melancholische Lieder mit einer Art Hoffnung am Ende. Und ich finde traurige Lieder gar nicht traurig. Es ist seltsam. Wenn ich ein Lied von Adele höre, denke ich: geil! Obwohl sie davon singt, wie grausam alles ist und in welcher Misslage sie sich befindet.
Traurige Lieder machen Sie nicht traurig – was bringt Sie dann zum Weinen?
Alte Leute sind ganz gefährlich. Vorgestern im Supermarkt wollte ich einen Opa an der Kasse vorlassen. Er wuselte hektisch herum, weil er sein Portemonnaie nicht dabeihatte, und wollte schließlich ohne seinen Einkauf davontippeln. Das konnte ich nicht zulassen.
Ich bot ihm an, das Geld auszulegen und er könne es einfach die Tage im Supermarkt für mich hinterlegen. Er fragte nur: Ist Ihnen das nicht zu unsicher? Als ich verneinte, haute er mir auf die Schulter und freute sich wahnsinnig. Das hat mich zu Tränen gerührt.












