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Home » Er baute den Weltrekordturm in der Lausitz
Wirtschaft

Er baute den Weltrekordturm in der Lausitz

By zeit-heute.deOktober 3, 20263 Mins Read
Er baute den Weltrekordturm in der Lausitz
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Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

Ein Turm so hoch wie der Eiffelturm, mitten in der brandenburgischen Provinz. In Schipkau dreht sich seit Kurzem das größte Windrad der Welt – gebaut dort, wo einst Braunkohle die Energie lieferte.

Jochen Großmann hat vor wenigen Tagen in der Lausitz den größten Windturm der Welt aufgestellt. Er ist insgesamt 365 Meter hoch.

Großmann ist allerdings überzeugt davon, dass es noch höher geht. Warum, das erklärt er im t-online-Interview.

  • 365 Meter hoch: Dieser Turm könnte die Energieindustrie umkrempeln

t-online: Herr Professor Großmann, Sie haben den größten Windturm der Welt in der brandenburgischen Provinz, in Schipkau, gebaut. Was ging Ihnen durch den Kopf, als er am Montag endlich stand?

Jochen Großmann: Als der Turm seine Weltrekordhöhe von 365 Metern erreicht hatte, empfand ich vor allem Stolz und Dankbarkeit. Stolz auf die außergewöhnliche Teamleistung und Dankbarkeit gegenüber allen, die dieses anspruchsvolle Projekt möglich gemacht haben. Gleichzeitig war da großer Respekt vor der technischen Leistung – und die Gewissheit: Wir haben die Fähigkeit, solche Innovationen zu verwirklichen.

Warum Schipkau, wo bis vor 30 Jahren noch Braunkohle abgebaut wurde?

Schipkau steht wie kaum ein anderer Ort für den Wandel unserer Energieversorgung. Wo früher Braunkohle abgebaut wurde, entsteht heute mit modernster Technologie neue Energie. Genau dieser Wandel macht den Standort für uns so besonders: Wir wollen zeigen, dass industrielle Regionen ihre Geschichte nicht hinter sich lassen müssen, sondern daraus die Zukunft gestalten können.

Der Aufbau zog sich über Tage hin, weil immer wieder Wind aufkam. Hatten Sie zwischendurch ernsthafte Sorge, dass es nicht klappen würde?

Die Spannung war wirklich mit Händen zu greifen, aber ernsthafte Sorgen hatten wir zu keinem Zeitpunkt. Wir haben seit vielen Jahren auf diesen Moment hingearbeitet, alles mehrfach berechnet und einen Sicherheitspuffer eingebaut. Unsere Berechnungsergebnisse ließen wir von Dritten prüfen – unter anderem vom TÜV Nord –, um Sicherheit und Gewissheit zu haben. Zudem kommt die verwendete Hebetechnik mittels Litzenhebern seit vielen Jahren zum Beispiel beim Brückenbau zum Einsatz.

Litzen-Hebetechnik

Wenn tonnenschwere Bauteile millimetergenau in die Höhe bewegt werden müssen, kommt eine besondere Hebetechnik zum Einsatz: der Litzenheber. Das hydraulische System arbeitet mit zahlreichen hochfesten Stahllitzen, die wie kräftige Stahlseile die Last nach oben bewegen.

Hydraulische Spannbacken greifen die Litzen und ziehen sie Schritt für Schritt durch das Hebesystem. Anschließend werden sie neu gefasst – ein Vorgang, der sich immer wiederholt. Auf diese Weise kann die Last kontrolliert und über große Distanzen angehoben werden.

Dabei wächst der innere Turm des Hebesystems Stück für Stück aus dem äußeren heraus. Fachleute sprechen deshalb vom Teleskopieren. Was von außen wie ein langsames Herauswachsen des Turms aussieht, ist das präzise Zusammenspiel von Hydraulik, Spannbacken und Stahllitzen – und ermöglicht es, selbst gewaltige Lasten sicher zu bewegen.

Wer lieferte Ihnen verlässliche Wetterdaten?

Wir nutzen die Daten von mehreren Wetteranbietern und wurden während der Hubarbeiten von Meteologix begleitet. Das ist die Firma von Jörg Kachelmann, sodass sich ein ziemlich verlässliches Gesamtbild ergibt.

Der Turm ist 365 Meter hoch. Worin liegen die Vorteile gegenüber normal hohen Windrädern?

Mit 365 Metern erreichen wir Höhen, auf denen der Wind stärker und vor allem gleichmäßiger weht. Somit erhöht sich die Energieausbeute und ermöglicht auch an Standorten, die für herkömmliche Windräder weniger geeignet sind, eine wirtschaftliche Nutzung der Windenergie. Zugleich können wir mit weniger Anlagen mehr Strom erzeugen und damit die Flächennutzung reduzieren.

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