Die Elfenbeinküste schlägt ihr Camp auf dem Vereinsgelände des MLS-Klubs Philadelphia Union auf. Das bedeutet weniger Reisestress für Team und Mitarbeiter der Westafrikaner.
Das sind die wichtigsten Spieler der Elfenbeinküste
- Yan Diomandé (RB Leipzig, Marktwert ca. 90 Millionen Euro): Pfeilschneller Flügelspieler und der vielleicht aufregendste Teenager dieses Turniers. Diomandé zieht von außen in den Strafraum, sucht das Eins-gegen-Eins und gewinnt es meistens. Gegen Ecuador kam er auf 9 Dribblings und 2 Torschüsse, blieb aber ohne Treffer. Im Abschluss ist er noch nicht konstant genug – das ist die Lücke zwischen Talent und Weltklasse.
- Amad Diallo (Manchester United, Marktwert ca. 45 Millionen Euro): Alle reden von Diomandé. Aber Diallo kann kaum weniger gefährlich werden. Diallo kam gegen Ecuador in der 56. Minute – und brauchte eine halbe Stunde, um das Spiel zu entscheiden. Siebenmal ging er ins Dribbling, nur einmal verlor er den Ball. Er ist beidfüßig, kann rechts spielen, zentral hinter der Spitze oder als einrückender Flügel. Trainer Faé nutzt ihn als Joker, der müde Abwehrreihen knackt. Gegen Deutschland dürfte er dieselbe Rolle spielen.
- Franck Kessié (Al-Ahli, Marktwert ca. 12 Millionen Euro): Fixpunkt im zentralen Mittelfeld und Kapitän. Gegen Ecuador spielte mit einer Passgenauigkeit von 93 Prozent. Kessié sichert nach Ballverlusten ab, schaltet sich aber auch selbst in die Offensive ein. Seine größte Zeit erlebte er bei der AC Mailand, anschließend spielte er eine Saison beim FC Barcelona. Zuletzt aber mit Formschwankungen in Saudi-Arabien. Seine Beine sind nicht mehr die schnellsten – wenn Deutschland im Umschaltspiel Tempo aufnimmt, könnte Kessié hinterherlaufen.
- Evan Ndicka (AS Rom, Marktwert ca. 35 Millionen Euro): Abwehrchef mit internationaler Erfahrung. Robust, kopfballstark, wichtig für die Organisation. Leichte Schwächen im Stellungsspiel. Gegnerische Mittelstürmer haben gegen diese „Kante“ trotzdem nicht viel zu lachen. Bislang noch ohne Spielminute bei der WM, weil er an einer Oberschenkelverletzung laboriert.
- Guéla Doué (Stade Rennes, Marktwert ca. 18 Millionen Euro): Der unauffälligste und vielleicht trotzdem wichtigste Spieler des Ecuador-Spiels. 53 Pässe, 94 Prozent Genauigkeit. Dazu 7 Ballrückeroberungen. Doué ist der Rechtsverteidiger, der das Spiel der Elfenbeinküste nach vorn trägt: Er schiebt hoch, versorgt Diomandé mit Bällen und sichert gleichzeitig die rechte Seite ab. Sein Problem: Wenn er zu weit aufrückt, entsteht hinter ihm Raum. Genau dort operiert Deutschlands Nathaniel Brown.
Das ist der Trainer
Emerse Faé führte die Mannschaft bereits 2024 zum Afrika-Cup-Titel, hat nun aber eine Bewährungsprobe vor sich. Nach dem Aus im Viertelfinale beim Afrika-Cup dieses Jahres steht er in der Kritik. Medienberichten zufolge geriet er unter Druck, nachdem die Erwartungen an eine erfolgreiche Titelverteidigung nicht erfüllt wurden. Gleichzeitig gilt er als Trainer, der jungen Spielern vertraut und die Entwicklung der Mannschaft vorantreibt. Gegen Ecuador bewies er Mut: Er wechselte Diallo und Bonny für die beiden blassen Stürmer Wahi und Touré ein – und wurde belohnt.
Als zentraler Mittelfeldspieler war Faé in den Nullerjahren Teil der sogenannten „goldenen Generation“ der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste, die er gemeinsam mit Weltstars wie Didier Drogba, den Brüdern Yaya und Kolo Touré, Didier Zokora oder Emmanuel Eboué prägte. Auf Vereinsebene spielte er bei FC Nantes, OGC Nizza und dem FC Reading, ehe er im Alter von erst 28 Jahren seine Karriere wegen chronischer Venenentzündungen beenden musste.
Spielsystem und Taktik
Die Basis des Spiels der Elfenbeinküste ist eine stabile Viererkette, auf der Trainer Faé je nach Gegner entweder ein 4-4-2 oder ein 4-2-3-1 aufbaut. Gegen Ecuador wählte er ein 4-4-2 mit Diomandé und Wahi vorn. In der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld stehen tatsächlich wahre Elefanten: Die meisten Spieler dieser Positionsgruppe sind mindestens 1,90 Meter groß. Im Zentrum geht es hart zur Sache, hier werden Räume zugestellt, lange Schläge weg geköpft und Bälle gesichert.
Elfenbeinküste presst nicht hoch und aggressiv, sie lauert. Sie steht kompakt im Mittelblock (27 Prozent der Defensivaktionen), verschiebt sauber und wartet, bis der Gegner einen Fehler macht. Dann geht es schnell: Die Ivorer schalten nicht über lange Bälle um, sondern über kurze, vertikale Pässe nach Ballgewinn.
Gegen tief stehende Gegner ist vor der letzten Kette oft Schluss. Die Strafraumbesetzung ist unzureichend, Flanken finden keinen klaren Abnehmer. Ecuador brachte sieben Flanken in den Strafraum – keine einzige kam an. Die Sehnsucht nach einem neuen Nationalhelden wie Didier Drogba dringt den Ivorern aus jeder Pore. Ein klassischer Zielspieler, der Angriffe abschließt und Bälle festmacht, fehlt. Ein Leitbulle für „Les Éléphants“.










