Hohe Krankheitszahlen
Beginnt die Grippewelle dieses Jahr besonders früh?
30.10.2026 – 13:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Sind gerade besonders viele an Erkältung, Grippe oder Corona erkrankt? Wer diesen Eindruck hat, liegt nicht falsch. Alarmierend ist die Lage dennoch nicht.
„Grippewelle gestartet – erste Todesfälle“, „Leere Büros, volle Praxen: Ist das die erste Grippewelle?“, „Droht die früheste Grippewelle seit Jahren?“ Die aktuellen Schlagzeilen könnten den Eindruck erwecken, dass uns in diesem Jahr eine besonders frühe und heftige Grippesaison bevorsteht. Doch geben die Erkrankungszahlen tatsächlich Anlass zur Sorge?
Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist die Lage bislang nicht ungewöhnlich. In der Woche vom 19. bis zum 25. Oktober hatten nach Schätzungen rund 5,2 Millionen Menschen in Deutschland einen neuen Atemwegsinfekt. Das RKI stuft die Krankheitsaktivität als moderat und für die Jahreszeit üblich ein. Seit Anfang Oktober bleibt sie relativ stabil.
Und von einer Grippewelle kann bislang keine Rede sein: Das RKI bewertet die Influenzaaktivität momentan als niedrig.
Welche Erreger zurzeit zirkulieren
„Akute Atemwegserkrankung“, kurz ARE, ist ein Sammelbegriff. Dazu gehören gewöhnliche Erkältungen, die echte Grippe (Influenza) und Covid-19. Viele verschiedene Viren, häufig etwa Rhinoviren, können Erkältungen auslösen. Die echte Grippe entsteht durch Influenzaviren, Covid-19 durch das Coronavirus SARS-CoV-2.
Gerade sind vor allem gewöhnliche Erkältungsviren unterwegs. In 43 Prozent der 76 untersuchten Proben aus Arztpraxen fand das RKI Ende Oktober Rhino- oder Enteroviren, in 14 Prozent sogenannte Parainfluenzaviren. Sie können ebenfalls Erkältungsbeschwerden verursachen und haben trotz ihres Namens nichts mit der echten Grippe zu tun.
Grippeviren und das Coronavirus waren dagegen deutlich seltener: Sie wurden in jeweils drei Prozent der Proben nachgewiesen. Da die Stichprobe klein ist, lässt sich daraus allerdings nicht direkt ableiten, wie häufig die einzelnen Viren in Deutschland insgesamt vorkommen.
Wie stark fällt die Erkältungssaison aus?
Zwischen Mitte August und Ende September nahm die Zahl der Atemwegsinfekte deutlich zu. Das ist im Herbst allerdings üblich. Ende Oktober erkrankten nach RKI-Schätzungen etwa 6,2 Prozent der Menschen in Deutschland innerhalb einer Woche neu an einem Atemwegsinfekt. Im Vorjahr waren es 6,1 Prozent, 2024 sogar 7,6 Prozent. Für eine ungewöhnlich frühe oder heftige Infektwelle gibt es damit keine Hinweise.
Allerdings lässt sich bei gewöhnlichen Erkältungen nicht genau sagen, ab wann eine Erkrankungswelle beginnt. Anders als bei der echten Grippe gibt es dafür keine einheitlich festgelegten Kriterien.
Wie ist es bei der Grippe und Corona?
Bei der echten Grippe lässt sich der Beginn einer Welle genauer bestimmen. Dafür untersucht das RKI regelmäßig Proben aus Arztpraxen. Werden über zwei Wochen hinweg ausreichend viele Influenzaviren nachgewiesen, gilt die Grippewelle als gestartet.
Im vergangenen Jahr war das erst Ende November der Fall, 2024 und 2023 sogar erst im Dezember. Dass es auch früher beginnen kann, zeigte das Jahr 2022: Damals begann die Welle bereits Ende Oktober. In diesem Jahr hat sie noch nicht begonnen. Ob sie früher einsetzt als zuletzt, bleibt offen.
Bei Corona lässt sich der Beginn einer Erkrankungswelle weniger genau festlegen. In den vergangenen Jahren stiegen die Infektionszahlen häufig schon in der zweiten Jahreshälfte an. 2025 setzte dieser Anstieg einige Wochen später ein als 2024. Beide Wellen fielen deutlich schwächer aus als 2023.
In diesem Jahr nimmt die Menge an Coronaviren im Abwasser seit Juli leicht zu, allerdings auf niedrigem Niveau. In den untersuchten Praxisproben wurde das Virus Ende Oktober 2024 noch in 21 Prozent der Fälle nachgewiesen, 2025 in 14 Prozent. Aktuell liegt der Anteil deutlich niedriger. Auf eine besonders frühe oder heftige Coronawelle deutet damit nichts hin.











