
Warum verfängt dieses Narrativ aus Ihrer Sicht regelmäßig so stark, gerade in so einem wohlhabenden Bundesland?
Weil es eine gewisse Skrupellosigkeit und Dreistigkeit der CSU gibt, einfach immer wieder faktenfrei dasselbe zu behaupten. Das ist so eine Form von politischer Unanständigkeit, gepaart mit einer gewissen Unfreundlichkeit. Wenn Markus Söder Ricarda Lang mit seinem Schäferhund vergleicht und sich nie dafür entschuldigt, dann frage ich mich: Was ist denn das für ein Typ, was ist das für eine Erziehung, die er genossen hat?
Ich frage mich: Was ist denn das für ein Typ, was ist das für eine Erziehung, die er genossen hat?
katharina dröge über bayerns ministerpräsidenten söder (csu)
Trifft Sie die Rhetorik von Markus Söder auch persönlich?
Nein. Ich denke nicht, dass Markus Söder sich wirklich für die Menschen interessiert, die er als Feindbild für seine Kampagnen aufbaut. Dem geht es nur um die Polarisierung. Ich frage mich immer nur: Wenn ein Demokrat so auf andere Demokraten draufhaut, wo soll das hinführen? Ich bin sicher, die Leute sind total müde, so was zu hören. Söder erzeugt ja auch ein Anti-Bild von sich selbst, über das viele nur noch kopfschüttelnd draufschauen.
Kommen wir zum Anfang zurück: Es gibt derzeit viele bedrückende Themen. Insbesondere die Vorgehensweise der US-Einwanderungsbehörde ICE, die verschärften Einreisebestimmungen und die Sorge um die Sicherheit in den USA. Das alles schwingt mit, wenn man auf die Fußball-WM blickt. Sprechen Sie sich für einen Boykott des Turniers aus?
Ein Boykott trifft ja immer auch die Spieler, die für diese Entscheidung keine Verantwortung tragen. Ich finde, Friedrich Merz könnte sich überlegen, die WM nicht von den USA aus zu verfolgen. Entscheidend ist jedoch vor allem, dass Merz seinen Job macht und gemeinsam mit unseren europäischen Partnern eine neue Transatlantik-Strategie definiert. Das wäre ein echtes politisches Zeichen. Ansonsten geht es aber natürlich darum, die Sicherheit der Fans auch zu gewährleisten und sich dafür einzusetzen. Außerdem beobachte ich mit großer Sorge die Entwicklung in den USA und das Vorgehen der ICE-Behörde, bei dem Menschen einfach auf der Straße erschossen werden und eine Administration das auch noch rechtfertigt. Das ist eine Katastrophe. Deshalb muss Friedrich Merz auf der Münchner Sicherheitskonferenz endlich eine neue Transatlantik-Strategie erklären. Der Kanzler beschwichtigt derzeit vor allem und hofft, wenn Deutschland sich so halbwegs freundlich verhält, dann wird schon alles gut werden. Das funktioniert nicht mit Trump. Die Europäische Union muss eine andere Antwort darauf geben. Mehr Selbstbewusstsein, mehr Eigenständigkeit. Dafür braucht es einen deutschen Bundeskanzler, der das auch vorantreibt. Wenn er bremst, bremst das ganz Europa.











