
Zwei Wochen bei Minustemperaturen lassen die deutsche Hauptstadt ins Chaos abrutschen. Das Versagen und Versäumen zieht sich durch alle Ebenen der Gesellschaft und ist brandgefährlich.
In Berlin liegen drei Zentimeter Schneematsch, handgemessen. Eisregen rieselt auf seine frostige Unterlage. Nirgends ist der Winter weniger wunderbar als an der Spree. Aber es fegt kein Blizzard durch die Häuserschluchten. Keine Schneeverwehung türmt sich auf. Die Hauptstadt liegt noch immer inmitten von Brandenburg, und nicht in Grönland, Lappland oder inmitten der Alpen.
Fahrzeuge aller Größen und Funktionen schlittern an Zombiebaustellen entlang. Nur Schneepflüge sieht man kaum. Warum eigentlich? Die S-Bahn kämpft mit vereisten Weichen, die U-Bahn steht, zumindest da, wo sie oberirdisch fahren müsste. Am BER kommt man mit dem Enteisen der Flieger kaum hinterher. Der erfahrene Berliner wartet schon darauf, dass irgendwann in den kommenden Tagen und Stunden die Oberleitungen der Straßenbahnen wieder schockgefrostet sein werden. Die bedauernswerten Mitarbeiter der BVG kratzen sie dann von Hand wieder frei. Auf drei Turmwagen stehend. Drei. In ganz Berlin. Dauert eine halbe Woche.
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Niemand schreibt gerne: Früher war alles besser. Aber früher – es nutzt ja nichts – mussten nicht ganze Belegschaften im Homeoffice bleiben, weil im Januar völlig überraschend vergleichsweise handelsüblicher Winter ins Land zog. Früher schippte jemand Schnee, streute jemand Splitt und Salz, standen Räum- und Reparaturfahrzeuge in den Depots, und es gab Menschen, die dafür bezahlt wurden, sie zu fahren, wenn es kalt wurde. Wo sind die alle geblieben? Wann hat Berlin Winter verlernt? Wie wurde aus einer Jahreszeit ein Extremwetter, quasi aus heiterem Himmel? Ein Ausnahmezustand?
Deutschland bekommt so vieles augenscheinlich nicht mehr hin. Der Eindruck drängt sich daher auf: Es gibt keine Wetterkrise, sondern eine Verantwortungskrise. Und sie bedroht das Land im Innersten. Nicht nur im Winter und längst nicht nur in Berlin.









