
US-Präsident Donald Trump dominiert das Weltgeschehen und die Berichterstattung. Brings warnt davor, darüber andere wichtige Themen zu vergessen.
Gut zwei Wochen Session mit Sitzungen, Festen und Partys: In Kölle geht in diesen Tagen anscheinend alles seinen karnevalistischen Gang. Die Säle und Zelte sind voll, die Stimmung ist superjeil, es wird gefeiert, ohne aufs Geld zu gucken, ganz so als gäbe es kein Morgen.
Das ist ja der Sinn und Zweck der fünften Jahreszeit. Abschalten und auf ins echte Leben. Einfach mal auf die Kacke hauen. Lääv di Lääve! Du häs nor dat eine!
Das könnten wir so stehen lassen, wenn wir morgens nicht die Zeitungen lesen würden. Pardon, das machen Leute in unserem Alter: morgens eine Zeitung lesen, die eigentlich schon nicht mehr aktuell ist, weil am Vortag gedruckt. So kommt man den fast stündlichen Drohungen eines Donald Trump natürlich nicht hinterher – ob es der Terror der ICE gegen Teile des amerikanischen Volkes ist, die Entführung eines anderen korrupten Präsidenten oder die Begehrlichkeit gegenüber Grönland.
Der selbst ernannte Kandidat für den Friedensnobelpreis droht neuerdings mit Angriff auf die eigenen Nato-Partner. Wenn nicht mit Raketen, dann doch mindestens mit Strafzöllen. Was für mich das Schlimmste daran ist: alle Augen und Ohren richten sich auf diesen einen machtbesessenen, alten Kerl aus.
So verlieren wir andere, für uns selbst viel wichtigere Krisen aus den Augen: den grausamen Krieg Putins gegen die Menschen in der Ukraine nämlich, der auch unser Schicksal ist. Das ist eine menschliche Tragödie, direkt vor unserer Haustüre. Ganze Städte versinken gerade wieder in Kälte und Dunkelheit. Das schon seit bald vier Jahren!
Die Ukraine kann nur mit unserer Hilfe in allen Bereichen überleben. Das geht ins Geld, das ist gefährlich, das geht an die Nerven und ans Herz. Aber wenn die Ukraine fällt, dann ist es wohl auch mit der Freiheit Europas vorbei.
Regen wir uns lieber über Trump auf, um uns von unserer eigentlichen Aufgabe abzulenken? Weil es dann einfacher ist, den Krieg in Europa zu ignorieren? Seit Tagen reden wir über ein gutes Dutzend Bundeswehrsoldaten, die als Erkundungsteam nach Grönland geschickt wurden. Darüber, dass schließlich 5.000 Männer und Frauen der Bundeswehr für unbestimmte Zeit in Litauen stationiert sein werden, um die Ostgrenze der Nato zu schützen, wird hierzulande kaum noch ein Wort verloren.
Aber so ticken wir wohl alle ein wenig. Trump ist ein beliebtes Ziel für Parodien, für schräge Witze, für Spott und Häme. Der ist ja auch weit weg, auf der anderen Seite des großen Teiches. Witze über den Despoten im Kreml hört man da schon weniger. Der ist zwar auch weit weg, hat aber einen langen Arm.










