
Die Fed darf US-Staatsanleihen aber nicht direkt vom Finanzministerium kaufen, das ist verboten. Sie kauft Anleihen von Geldinstituten. Das Geld wird aber nicht überwiesen, sondern der Bank (dem Verkäufer) als Reserve gutgeschrieben. Die Notenbank schafft damit neues Geld, am Computer sozusagen.
Die Bilanz zu verkleinern, heißt nun, dass die Notenbank nicht mehr so viele Anleihen bei den Banken kauft. Das entzieht dem Finanzsystem Geld. So ein Liquiditätsentzug, wie das in der Fachsprache heißt, hat ganz praktische Folgen: Banken werden mit der Vergabe von Krediten vorsichtiger und die Risikobereitschaft sinkt. Kredite werden knapper und/oder teurer; für Unternehmen, die investieren wollen, ein großes Problem.
An den Kapitalmärkten heißt weniger Liquidität: ebenfalls weniger Geld für Investments und Spekulationen. Das drückt folglich auf die Aktienkurse. Und am Anleihenmarkt steigt das Angebot, wenn ein großer Käufer wie die Fed ausfällt. Die Folge: Die Preise fallen.
Und was hat Gold damit zu tun? Als sich abzeichnete, in welche Richtung die Geldpolitik mit der Entscheidung des US-Präsidenten künftig tendieren könnte, brach der Goldpreis ein. Investoren mussten ganz plötzlich mit weniger Anleihenkäufen und damit weniger Liquidität und einem stärkeren US-Dollar (auch das ein Nebeneffekt) rechnen. Das hatten die meisten so nicht erwartet.
Gold wird in US-Dollar gehandelt. Steigt der Dollar, fällt der Goldpreis. Denn wird der Greenback (so nennt man den US-Dollar auch) teurer, wird Gold für Investoren aus anderen Währungen teurer, die Nachfrage sinkt, der Preis fällt.
Gold ist nun aber eine Krisenwährung, eine Absicherung gegen Inflation und eine Zuflucht gegen Staatsverschuldung. Und kein Staat ist so hoch verschuldet, wie es die USA sind. Folglich war der Goldpreis 2024 und 2025 massiv gestiegen. Dieser Anstieg kam abrupt zum Stoppen.
Jetzt hat sich der Wind gedreht: Gold fällt bei monetärer Disziplin und in einem Umfeld mit weniger Liquidität. Der neue Notenbank-Chef könnte genau dafür einstehen. Das war die Erkenntnis der Investoren. Letztlich war Kevin Warsh aber nur der Auslöser der Gold-Korrektur. Aber nicht die Ursache. Und warum nicht?
Gold wurde in jüngster Zeit extrem spekulativ gekauft. Dadurch entstand eine äußerst ungewöhnliche Dynamik, die Spekulanten in großem Stil auf den Plan rief. Kursgewinne von sechs, sieben, acht Prozent an einem Tag kamen öfter vor. Normalerweise sind solche Sprünge eher eine Ausnahme. Investoren hatten gedacht, dass ein Trump-Freund und Zinssenker ans Ruder der Fed komme, aber keiner, der für Haushaltsdisziplin und weniger Liquidität steht. Was Kevin Warsh aber wirklich umsetzt, er entscheidet ja nicht allein, das sehen wir dann ab Mai, wenn seine Amtszeit beginnt.










