„Phantom des Bundestages“

Dieser Politiker verpasst die meisten Sitzungsstunden


Aktualisiert am 31.07.2026 – 16:35 UhrLesedauer: 3 Min.

Die AfD-Fraktion im Bundestag: Sieghard Knodel tritt aus der Partei aus, behält aber sein Mandat. (Quelle: ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler)

Über die Hälfte der Sitzungstage blieb sein Platz leer. Sieghard Knodel verweist auf gesundheitliche Gründe und erklärt, warum er sein Mandat trotzdem nicht niederlegen will.

Der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Sieghard Knodel steht wegen seiner geringen Präsenz im Parlament in der Kritik. In der aktuellen Legislaturperiode fehlte der Unternehmer bei 59 von 68 namentlichen Abstimmungen. Zudem hielt er bislang keine einzige Rede im Plenum. Aus der AfD kommt der Vorwurf: „Totalausfall“.

Knodel war während der Corona-Pandemie nach eigenen Angaben aus Empörung über die „Gängeleien des Staates“ in die AfD eingetreten. Über Platz 18 der baden-württembergischen Landesliste zog er nach der Bundestagswahl 2025 ins Parlament ein. Etwa zwei Monate nach der Wahl verließ er jedoch sowohl die AfD-Fraktion als auch die Partei und ist seither fraktionslos.

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Ex-AfD-Politiker Sieghard Knodel fehlte fast immer

Sein Platz in der letzten Reihe hinter der AfD-Fraktion blieb monatelang leer – zunächst unentschuldigt, später mit ärztlichem Attest. An mehr als der Hälfte der Sitzungstage war er nicht anwesend. Wie Knodel dem „Spiegel“ erklärte, habe er unter einem „physischen Burn-out“ sowie den Langzeitfolgen eines schweren Autounfalls gelitten.

Sieghard Knodel (Archivbild): Er fehlte bei den meisten namentlichen Abstimmungen und sprach im Plenum kein einziges Mal. (Quelle: AfD-Bundestagfraktion/ Joana Stubryt)

Bundestagsabgeordnete wie Knodel erhalten monatliche Diäten von rund 12.000 Euro samt einer steuerfreien Aufwandspauschale von etwa 5.500 Euro. Ein schlechtes Gewissen wegen seiner Fehlzeiten habe er nicht. „Ich habe als Unternehmer so viele Steuern bezahlt, da ist es nur fair, wenn der Staat mir wieder etwas zurückgibt.“

Darum verließ Knodel die AfD

Nach Paragraf 14 des Abgeordnetengesetzes sind Bundestagsabgeordnete verpflichtet, während der Sitzungswochen anwesend zu sein. Die Präsenz wird unter anderem durch Eintragungen in Anwesenheitslisten und die Teilnahme an namentlichen Abstimmungen nachgewiesen. Wer diesen Pflichten nicht nachkommt, muss finanzielle Sanktionen hinnehmen oder sich, wie Knodel, ärztlich entschuldigen lassen.

Zum Austritt aus der AfD hatte sich Knodel nach eigenen Angaben entschlossen, nachdem der Verfassungsschutz die Partei im Mai 2025 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft hatte. Der Druck auf ihn und sein Unternehmen sei dadurch groß geworden. Kunden hätten angekündigt, ihre Geschäftsbeziehungen zu beenden. In seiner Austrittserklärung bezeichnete er den Schritt als „unvermeidlich“, „auch wenn ich ihn sehr ungern gehe“.

AfD fordert Knodel zur Rückgabe seines Mandats auf

Der baden-württembergische AfD-Co-Landesvorsitzende Emil Sänze räumte gegenüber dem „Spiegel“ ein, der Erfolg der Partei ziehe auch Menschen an, „die schnell Karriere machen wollen“. Darunter seien einige, die besser nicht aufgestellt worden wären. Auch aus Knodels Kreisverband Reutlingen kommt scharfe Kritik. Der Landtagsabgeordnete und Kreissprecher Hans Peter Gerner sagte dem „Spiegel“: „Was Knodel macht, ist Betrug am Wähler und am deutschen Steuerzahler.“ Er forderte, Knodel müsse das Bundestagsmandat an die AfD zurückgeben.

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